Betrifft St.Gallen: Demonstration für Flüchtlinge in Mörschwil

Kompetenter Text, auf den Punkt gebracht.

Die “Aktion Zunder” prangert die Zustände an, in denen Flüchtlinge in Mörschwil leben, einer der reichsten Gemeinden des Kantons St.Gallen. Deshalb soll am Samstag, 15. Oktober, eine Solidaritätsaktion in der Gemeinde stattfinden.

“Wir von Zunder, einer Gruppe junger St.Gallerinnen und St.Galler, finden es stossend, dass in einer reichen Gemeinde wie Mörschwil offenbar keine ausreichenden menschenwürdigen Strukturen für schutzbedürftige Menschen zur Verfügung gestellt werden können”. Das schreibt die “Aktion Zunder” in einem Communiqué. Viele dieser Personen seien vor Krieg, Gewalt und Unrecht geflohen.

“In miserablem Zustand”
In Mörschwil leben gemäss der Mitteilung zwar momentan gegen 30 Asylsuchende, von einer angemessenen Unterbringung könne jedoch nicht die Rede sein. Das Haus sei in einem miserablen Zustand, gerade im Kontrast zu den vielen schicken Einfamilienhäusern in der Umgebung. “Es fehlt an Küchen- und Putzmaterial, Duschen funktionieren teilweise nicht, das Haus ist im Allgemeinen sehr trostlos eingerichtet.”

Hinzu kommt gemäss der Mitteilung die räumliche und soziale Isolation. Das Haus befinde sich ganz am Rande der Gemeinde, Beschäftigungsprogramme scheine es – abgesehen von Einzelinitiativen in der Gemeinde – nicht zu geben. Erst vor kurzem sei die Schaffung einer Teilzeitstelle für die Bewohner beschlossen worden, eine Sanierung sei jetzt endlich geplant.

“Es braucht öffentlichen Druck”
Einige Geflüchtete leben gemäss der Mitteilung bereits seit mehr als vier Jahren dort. Auf die bereits geäusserte Kritik des Solidaritätsnetzes reagierten die Behörden gemäss der Mitteilung mit vereinzelten kleinen Verbesserungen und der Äusserung, dass man doch zuerst auf die Behörden hätte zugehen können. “Es braucht also erst öffentlichen Druck, um die vorhandenen Ressourcen und Mittel in Bewegung zu setzen.”

“Nicht von Asylsuchenden initiiert”
Die “Aktion Zunder” will beim Anlass, der auf Samstag, 15. Oktober, anberaumt ist, unter anderem auch Küchengeräte mitbringen und mit den Menschen zusammensitzen – “kurz: wir übernehmen die Aufgabe der Gemeinde, die dafür notabene vom Bund auch noch Geld erhält.” Die Demonstration steht unter dem Motto “Swimming Pools für alle”.

Die Aktion betont weiter, dass das Ganze zwar mit den Asylsuchenden besprochen, jedoch nicht von ihnen selber initiiert worden sei. “Oftmals fürchten sich Asylsuchende vor Repression oder Benachteiligung, wenn man sich dezidiert kritisch über die Zustände äussert. Andere wiederum sind in Anbetracht der Zustände in ihren Heimatländern und auf der Flucht froh, ein Dach über den Kopf zu haben.” Das könne ein Ausgangspunkt sein, jedoch nicht die Legitimation für menschenunwürdige und ungerechte Unterbringung von Geflüchteten. (pd/red.)


Hier: ZUR SPANNENDEN TEXTQUELLE Demonstration für Flüchtlinge in Mörschwil

http://www.tagblatt.ch/4780552Demonstration für Flüchtlinge in Mörschwil

Sehr gut und kompakt geschriebener Text. Ein spannendes Thema gebührend beschrieben.

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Nachricht aus St.Gallen: Flüchtlinge auf Lehre vorbereiten

Fundierter Bericht, das Lesen lohnt sich.

Der Kanton St.Gallen führt an drei Berufsfachschulen neu Integrationsförderkurse für 75 Asylsuchende. Damit reagiert er auf den Zustrom junger Flüchtlinge und entlastet die Brückenangebote, für die Migranten oft noch nicht bereit sind.

ST.GALLEN. «Wir müssen unsere Konzepte überdenken, mehr in die Integration investieren und wohl auch das schulische Angebot anpassen», sagte der St.Galler Sicherheitsdirektor Fredy Fässler vor einem Jahr. Es ging um Friktionen rund um die Betreuung der zunehmenden Zahl von minderjährigen Asylsuchenden. Für die jungen Flüchtlinge an der Schwelle zum Erwachsenenalter und etwas älter richtet der Kanton nun ein neues Angebot ein: Im begonnenen Schuljahr können 75 Migranten zwischen 15 und 24 Jahren an drei Berufsfachschulen einen «Integrationsförderkurs» besuchen. Das Angebot gilt für Asylsuchende mit Aufenthaltsstatus N sowie für junge Erwachsene mit Status B (anerkannte Flüchtlinge) oder F (vorläufig Aufgenommene).

Vorbereitung für Lehre

Die 75 jungen Migranten – mehrheitlich Männer, aber immerhin gut ein Drittel Frauen – erhalten an vier Halbtagen pro Woche die Gelegenheit, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern, um im Alltag besser zurechtzukommen. Oder wie es im Kursbeschrieb konkreter heisst: Die Teilnehmer werden «in den Handlungsfeldern Arbeit, Arbeitssuche, Gesundheit, Medien, Freizeit und Weiterbildung unterrichtet». Dabei sollen die Deutschkompetenz erweitert und Kenntnisse über die Kultur und die Werte der Schweiz vermittelt werden. Zusätzlich steht die Infrastruktur für 16 Lektionen Selbststudium bereit.

Die fünf Klassen Integrationsförderkurs wurden an den Berufsfachschulen GBS St.Gallen (drei Klassen) sowie Buchs und Toggenburg (je eine Klasse) eröffnet. Damit können Synergien, die aufgrund der an diesen Standorten angebotenen Brückenangebote (Vorlehre, Berufsvorbereitungsjahr) bestehen, genutzt werden, wie es in der Mitteilung der Staatskanzlei heisst. Sprich: Die meisten Lehrpersonen haben in der Regel bereits Erfahrung mit ihrer «Zielgruppe» gemacht – Jugendliche und junge Erwachsene aus kriegs- oder krisenerschütterten Ländern wie Afghanistan, Irak, Iran, Libyen, Eritrea oder Äthiopien.

Brückenangebote überlastet

Das innert kürzester Zeit realisierte Angebot sei nötig geworden, weil die Gemeinden immer mehr Flüchtlinge in die kantonalen Brückenangebote schickten, «die nicht dem dafür vorgesehenen Zielpublikum entsprachen», sagt Ruedi Giezendanner, Leiter Amt für Berufsbildung. So mussten dort im letzten Jahr elf Klassen für Migranten geführt werden, die allerdings Jugendlichen zwischen 15 und 21 Jahren und mit Aufenthaltsstatus B oder F vorbehalten waren. Dank der neuen Integrationsförderklassen werden die Brückenangebote entlastet und können auch etwas ältere Asylsuchende (bis 24 Jahre) profitieren.

Vorbereitet wurde das neue Integrationsangebot von einer Arbeitsgruppe mit Vertretungen des Sicherheits- und Justizdepartementes, des Departementes des Innern, der Vereinigung St.Galler Gemeindepräsidenten (VSGP) und des Bildungsdepartementes. Letzteres stellt die Räume und das Personal zur Verfügung, doch getragen und finanziert werden die Klassen von den Gemeinden. Es sei aufgrund der gestiegenen Zahlen junger Flüchtlinge dringlich geworden, die Beschulung auf etwas ältere Asylsuchende und auf solche mit ungeklärtem Status (N, Verfahren läuft) auszuweiten, erklärt VSGP-Präsident Boris Tschirky. Die Gemeinden lassen sich dies rund eine halbe Million Franken kosten; allenfalls können sie mit einer Rückfinanzierung durch die Integrationspauschalen des Bundes rechnen.

Grosses Interesse – und Lob

Das Interesse für die Förderklassen ist gross: Ende Juli waren 149 Anmeldungen eingegangen. Gemeinden und Bildungsdepartement trafen anhand der «Bleibewahrscheinlichkeit» und der Deutschkenntnisse eine Vorselektion, bei der gegebenenfalls von den Altersgrenzen abgewichen werden konnte. Sodann wurden in Eintrittsgesprächen an den Berufsfachschulen die Motivation sowie das Vorwissen in Mathematik und Deutsch abgeklärt. Aufgrund der grossen Nachfrage wird eine Warteliste geführt. Wer den Integrationsförderkurs absolviert hat, soll hernach eine berufliche Ausbildung oder eine Vorlehre antreten können. Auch wird die Einführung von weitergehenden Angeboten in Erwägung gezogen.

Eine bessere Integrationsförderung fordern seit Jahren das Solidaritätsnetz Ostschweiz und die Asylbeobachtungsstelle. Die abtretende Solihaus-Vereinspräsidentin Ursula Surber (Ausgabe von gestern) begrüsst denn auch das Angebot, mit dem junge Flüchtlinge intensiver Deutsch lernen könnten als in der Integra-Schule. Speziell die Aufnahme von Asylsuchenden mit N-Status sei ein wichtiger Fortschritt. Offen bleibe, ob sich die Gemeinden gleichermassen verpflichteten und was mit Flüchtlingen über 25 geschehe, die oft bessere Fähigkeiten für Berufslehren mitbringen.


Hier: zum ganzen Eheringe-Artikel Flüchtlinge auf Lehre vorbereiten

http://www.tagblatt.ch/4740456Flüchtlinge auf Lehre vorbereiten

Der Autor hat mit diesem St.Gallener-Artikel gute Arbeit geleistet!

St.Gallen-News: Flüchtlinge in den HSG-Hörsälen

Ein absolut lesenswerter Artikel zum Thema “St.Gallen”

Die Flüchtlingskrise beschäftigt auch die Universität St.Gallen. Im öffentlichen Programm des Herbstsemesters widmen sich mehrere Vorlesungen den Themen Migration und Flucht. Nicht nur Erwachsene, auch Kinder sind angesprochen.

Was tut man, wenn man mit Flüchtlingen konfrontiert wird? Mit fremden Menschen aus fremden Ländern? Hat man Verständnis und fühlt mit oder geht man auf Distanz? Zu diesen Fragen suchen verschiedene Dozentinnen und Dozenten an der Universität St. Gallen nach Antworten. Titel der öffentlichen Vorlesungsreihe: «Das Fremde in uns – das Fremde um uns. Faszination und Angst». Es geht also um den Umgang mit dem Unbekannten, und zum Auftakt stellt Wirtschaftsethik-Professor Florian Wettstein am 18. Oktober eine «wirtschaftsethische Reflexion zur Zuwanderung» an, wie es im öffentlichen Vorlesungsprogramm der Universität St. Gallen heisst.

Warum Kinder fliehen müssen

Es ist nicht die einzige öffentliche Veranstaltung des kommenden Herbstsemesters, die sich den Themen Migration und Flucht widmet. Auch in der Kinderuni geht es um Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten: In der dritten von vier Vorlesungen erzählt Politikwissenschafter Christoph Frei am Beispiel von Karim und Samira, warum es auch Kinder gibt, die flüchten.

Trauer und Popmusik

Flucht ist auch mit Verlust und Trauer verbunden. Die Psychologin Verena Kast analysiert daher in vier öffentlichen Vorlesungen des HSG-Herbstsemesters den Prozess des Trauerns. Dabei werden verschiedene Verlustsituationen diskutiert.

Wer flieht, nimmt auch die Kultur und die Musik der Heimat mit. Martin Schäfer, langjähriger Musikredaktor bei Radio SRF und Dozent an der Hochschule für Musik in Basel, veranschaulicht dies am Beispiel der Juden in den USA: In der Ankündigung seiner Vorlesung «Rhythm & Jews» bezeichnet er den jüdischen Beitrag zur amerikanischen Popmusik «vielleicht gar als das wichtigste einzelne Element für die Entstehung dessen, was wir als Pop kennen».

Passend zu diesen Themen ist auch die Broschüre der öffentlichen Vorlesungen in diesem Herbst bebildert: Der Fotograf Hannes Thalmann hat im Solidaritätshaus St. Gallen Flüchtlinge aus verschiedenen Weltgegenden porträtiert.

Was Völkerrecht genau ist

Neben dem Schwerpunktthema bietet das öffentliche Vorlesungsprogramm der HSG wie üblich eine breite Palette an Themen, von Politik, Recht und Wirtschaft über Literatur- und Kulturgeschichte bis zu Soziologie, Geographie, Psychologie und Theologie. So erklärt Thomas Burri, Assistenzprofessor für Völker- und Europarecht, einen Begriff, der im Moment in der Innenpolitik diskutiert wird: das Völkerrecht. Er möchte gemäss Ankündigung über die Eigenheiten des Völkerrechts informieren und Unsicherheiten klären.

Anlässlich des 20jährigen Bestehens des Schweizer Bundesgesetzes über die Gleichstellung fragen sich Christa Binswanger und Sonja Rüegg, inwieweit die Chancengleichheit heute Realität ist. Expertinnen und Experten von Schweizer Hochschulen kommen zu Wort. In der abschliessenden Podiumsdiskussion am 1. Dezember ist auch Margrith Bigler-Eggenberger zu Gast, die erste Bundesrichterin der Schweiz.

«Hamlet» in der Lokremise

Zusammen mit dem Theater St. Gallen veranstaltet die HSG drei öffentliche Vorlesungen in der Lokremise. Es geht um den Shakespeare-Klassiker «Hamlet», um Hintergründe der drei «Hamlet»-Inszenierungen am Theater St. Gallen und aktuelle Entwicklungen in der deutschsprachigen Theaterlandschaft.


Klick HIER: zum ganzen Eheringe-Tipp Flüchtlinge in den HSG-Hörsälen

http://www.tagblatt.ch/4733869Flüchtlinge in den HSG-Hörsälen

Dem Autor ist die Kunst gelungen ein komplexes Thema interessant und lehrreich nahe zu bringen.

Betrifft St.Gallen: Flüchtlinge lernen in Personalrestaurant Kochen und Servieren

Lesenswerter Text zu diesem spannendem Thema aus St.Gallen.

Die soziale Stiftung «Förderraum» betreibt seit einem halben Jahr in St. Gallen das Personalrestaurant der Spezialglas-Firma Schott (ehemals Forma Vitrum). Acht Flüchtlinge erhalten in diesem Pilotprojekt eine Ausbildung in Gastronomie.

ST.GALLEN. Die Stiftung «Förderraum» engagiert sich seit 1990 dafür, Menschen mit einem erhöhten Unterstützungsbedarf in die Gesellschaft und in die Arbeitswelt zu integrieren. Neu gehören auch Flüchtlinge aus dem Kanton Appenzell Ausserrhoden dazu, wie Geschäftsführerin Alma Mähr am Dienstag an einer Medienkonferenz sagte.

Seit Anfang 2016 betreibt die Stiftung das Personalrestaurant der international tätigen Firma Schott, die in St. Gallen 550 Mitarbeitende beschäftigt. Hier absolvieren Flüchtlinge während sechs Monaten eine Ausbildung in Küche und Service. Derzeit sind es acht Männer und eine Frau aus Tibet, Eritrea und Sri Lanka.

Kochen, Service, Hygiene, Deutsch
Diese Menschen hätten es sonst schwer, eine Ausbildung und einen Job zu bekommen, erklärte Mähr. Zum Arbeitstraining gehören Theoriekurse im Kochen, in Küchenarbeit, Service und Hygiene sowie praktische Mitarbeit in der Kantine. An zwei Tagen pro Woche besuchen die Flüchtlinge Deutschkurse.

Initiantin Alma Mähr zeigt sich nach einem halben Jahr sehr zufrieden mit dem Start des Projekts. «Die Gastronomie eignet sich bestens für den Einstieg in die Arbeitswelt und in unsere Kultur.» Drei Flüchtlinge hätten bereits extern feste Arbeitsplätze in der Gastronomie gefunden.

Ausbaufähig
Ähnlich sieht es Heinrich van der Wingen von der Appenzell Ausserrhoder Beratungsstelle für Flüchtlinge. «Für uns ist das ein Pilotprojekt, das wir ausbauen wollen», erklärte er. Ziel sei es, weitere Unternehmen zu finden, die den Flüchtlingen Schnuppertage, Praktika oder Arbeitsplätze anbieten.

Weil das Projekt als Ausbildung gilt, war keine behördliche Bewilligung nötig. Die Flüchtlinge erhalten keinen Lohn, dafür aber Sozialhilfe. Generell sei es für Flüchtlinge schwierig, Arbeitsbewilligungen zu bekommen, erklärte van der Wingen. Beim Bund gebe es aber Bemühungen, die heutige Bewilligungs- in eine einfachere Meldepflicht umzuwandeln.

Kantine läuft gut
Gute Noten erhält das Pilotprojekt auch vom Personalchef der Firma Schott, Jörg Kleinschmidt. Das kulinarische Angebot – dazu gehört auch ein Mal pro Woche ein Menü aus der Heimat eines Flüchtlings – habe sich klar verbessert. Seit die Stiftung Förderraum die Kantine führt, kommen laut Kleinschmidt mehr Mitarbeitende zum Essen.

Die Firma finanziert die Personalkantine mit. Bei der Arbeit im Personalrestaurant kommen die Flüchtlinge in Kontakt mit der Belegschaft. Dies fördert ihre Deutschkenntnisse und ihre Integration, wie die Verantwortlichen des Projekts betonten.

Die Stiftung «Förderraum» hat bereits Erfahrung mit ähnlichen Projekten. So führt sie in St. Gallen mehrere Personalkantinen der kantonalen Verwaltung. Beteiligt ist die Stiftung auch am Hotel Dom, das in St. Gallen seit 18 Jahren Menschen mit einer leichten Behinderung beschäftigt. (SDA)


Klick HIER: zum gut gelungenen Eheringe-Artikel Flüchtlinge lernen in Personalrestaurant Kochen und Servieren

http://www.tagblatt.ch/4657711Flüchtlinge lernen in Personalrestaurant Kochen und Servieren

Der Autor dieses Textes hat gute Arbeit geleistet: Kurzweilig und doch interessant!

Topaktuelle St.Gallen – Nachricht: Streit um Flüchtlinge ist beigelegt

Ein lesenswerter Bericht für alle St.Gallen-Interessierten.

In einer Woche entscheidet die St. Galler Regierung, ob künftig der Kanton oder die Gemeinden für die Betreuung der unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden zuständig sein sollen. Damit geht ein monatelanger Streit zu Ende.

ST.GALLEN. Die Zahl der unbegleiteten Kinder und minderjährigen Jugendlichen, die in der Schweiz um Asyl ersuchten, ist mit 2736 Gesuchen im vergangenen Jahr stark angestiegen. 2014 waren es noch 795 gewesen. Im Kanton St. Gallen führten Probleme bei der Unterbringung zu Unstimmigkeiten zwischen Kanton und Gemeinden. Seither ist unklar, wer künftig für die Betreuung der jungen Flüchtlinge zuständig sein wird. Die Fronten waren verhärtet, eine Lösung des Konflikts schien weit weg.

Bericht für Juni versprochen

Nun sind die Verhandlungen offenbar abgeschlossen. In einer Woche entscheidet die St. Galler Regierung, welches Betreuungsmodell künftig im Kanton St. Gallen gelten soll. Damit schöpft sie den Spielraum bis zur letzten Minute aus. Noch im Februar hatte sie dem Kantonsrat ihren Bericht bis Juni in Aussicht gestellt.

Auch im Kanton St. Gallen stieg die Zahl der Gesuche von alleinreisenden Kindern und Jugendlichen per Ende Jahr auf 153 (Vorjahr 40) deutlich an. Viele sind traumatisiert, entsprechend personalaufwendig, komplex und teuer ist die Betreuung. Die Unterbringung in den Asylunterkünften des Kantons kostet 115 Franken pro Tag. «Hochspezialisierte Angebote im Kinder- und Jugendbereich können bis zu 785 Franken pro Tag kosten», schreibt die Regierung in der Antwort auf eine Interpellation der SVP-Fraktion.

Jugendliche unter 14 Jahren werden wenn möglich in Pflegefamilien untergebracht – zwischen August und Dezember 2015 waren das zehn. Weil die Zuteilung und die Finanzierung der Pflegeverhältnisse der minderjährigen Asylsuchenden mit den Gemeinden derzeit noch nicht geklärt ist, leistet das kantonale Migrationsamt zwischenzeitlich Kostengutsprachen für die Aufenthalte in Pflegefamilien. Besondere Ansätze sind bisher keine vereinbart worden, laut Kanton gelten heute 58 bis 100 Franken pro Tag. «Derzeit halten sich 149 Jugendliche im Kanton auf», sagt Justizchef Fredy Fässler. «Acht sind in Pflegefamilien untergebracht und 21 zusammen mit Erwachsenen, etwa im Asylzentrum Landegg.» Das entgegen den Empfehlungen der Schweizer Sozialdirektoren von vergangener Woche. Diese halten fest, dass Jugendliche «nicht als <De-facto-Erwachsene>» zu behandeln und daher in eigenen Zentren unterzubringen seien. «In der Regel betreuen wir die 16- bis 18-Jährigen im Jugendprogramm des Zentrums Thurhof in Oberbüren», sagt Fässler. «Nur wenn da kein Platz ist, werden die über 17-Jährigen im Rahmen einer Notlösung im vorwiegend von Familien bewohnten Asylzentrum Landegg untergebracht.» Für Anfang Jahr war in Vilters die Eröffnung eines zweiten Zentrums für Jugendliche geplant, «aber da sind wir noch nicht so weit», sagt Fässler.

Beistände vom Rat verweigert

Im Kanton St. Gallen wurden bisher nur in Ausnahmefällen Beistandschaften errichtet, wie das erneut auch die Sozialdirektoren in Erinnerung rufen. Die St. Galler Lösung, die Ernennung einer Vertrauensperson während des Asylverfahrens, gilt demnach nicht als Alternative. Der Kanton wollte die Gemeinden bei der Budgetierung im Februar entlasten und zwei professionelle Beistände einstellen. Der Kantonsrat verweigerte sich allerdings dieser Forderung, nicht zuletzt aufgrund des Hickhacks zwischen Kanton und Gemeinden. Die Betreuung der Asylsuchenden sei im Kanton St. Gallen Sache der Kommunen.

Gemeinden stärker einbinden

Es deutet nun einiges darauf hin, dass sich die St. Galler Regierung in einer Woche am Rechtsgutachten des ehemaligen St. Galler Vizestaatssekretärs Markus Bucheli von Ende März orientieren wird. Auch er kommt zum Schluss, dass die Gemeinden im Kanton St. Gallen zuständig für die Betreuung der Asylsuchenden sind. Und sie müssen über die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde auch die Kosten etwa für die Beistandschaften tragen. Fredy Fässler will der Regierung nicht vorgreifen, aber er sagt mehrdeutig: «Wir haben uns mit den Gemeinden gefunden. Ich könnte mir künftig Wohngemeinschaften mit vier bis fünf minderjährigen Flüchtlingen unter einem Dach vorstellen. Sie können aber die Kollektivunterbringung in einer ersten Phase nicht ersetzen.»


Klick HIER: ZUR AUSSERORDENTLICH TOLLEN TEXTQUELLE Streit um Flüchtlinge ist beigelegt

http://www.tagblatt.ch/4631950Streit um Flüchtlinge ist beigelegt

Der Verfasser des Artikels hat geschafft uns zum nachdenken anzuregen. Danke!

Aus St.Gallen – aktuelle Neuigkeit: Die Flüchtlinge werden immer jünger

Ein lesenswerter Bericht zu St.Gallen.

Auch der Kanton St. Gallen ist mit der Betreuung junger Flüchtlinge herausgefordert. 144 unbegleitete minderjährige Jugendliche sind derzeit registriert. 109 sind im Asylzentrum Thurhof in Oberbüren untergebracht, 35 in der Landegg in der Gemeinde Eggersriet. Das führt zu Kritik.

ST. GALLEN. Sie flüchten vor dem Militärdienst in Eritrea, einem Land, das zu den repressivsten der Welt gehört. Oder sie setzen sich aus Kriegsgebieten wie Syrien ab. Oder sie werden von Verwandten nach Europa geschickt. Die meisten verlieren auf der Flucht einen Elternteil. Allen gemeinsam ist: Sie sind unbegleitet, minderjährig, suchen Asyl und haben keine Ausbildung. Bereits 1500 minderjährige Asylbewerber haben im laufenden Jahr in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt, fast doppelt so viele wie im ganzen Vorjahr. Zuständig für ihre Betreuung und Unterbringung sind die Kantone (Ausgabe vom 2. November).

144 dieser jungen Flüchtlinge halten sich derzeit im Kanton St. Gallen auf. Der Jüngste ist gerade sechs Jahre alt und zusammen mit seinem 12jährigen Bruder eingereist. Die Brüder wurden in die Obhut einer Pflegefamilie übergeben.

Die Regel ist dieses Vorgehen nicht, eher die Ausnahme. Das Konzept des Kantons sieht eine schrittweise Integration im Asylzentrum Thurhof in Oberbüren vor. Einst auf 27 Jugendplätze ausgelegt, halten sich derzeit 109 Jugendliche im ehemaligen Knabenheim auf. «Wir sind überbelegt», sagt Manuela Rasmussen, Leiterin des Jugendprogramms. Deswegen seien die Plätze für Erwachsene reduziert worden. Notbetten in den Mehrbettzimmern und zum Schlafen genutzte Gemeinschaftsräume sind heute Alltag im «Thurhof».

Mit Erwachsenen zusammen

Hier, direkt an der Thur, ist der jüngste Asylbewerber 13 Jahre alt. Die 17-Jährigen und Älteren im «Thurhof», 35 an der Zahl, wurden inzwischen im ehemaligen Kur- und Seminarhotel Landegg in Eggersriet oberhalb von Rorschacherberg untergebracht, das der Kanton St. Gallen seit 2010 zusammen mit Appenzell Ausserrhoden als Asylunterkunft nutzt. Da sieht der Eggersrieter Gemeindepräsident und Geschäftsführer der St. Galler Gemeinden (VSGP), Roger Hochreutener, nur noch rot: «Die Anlage ist auf Erwachsene ausgerichtet. Dass hier Jugendliche untergebracht werden, ist nicht richtig, zumal eine altersgerechte Betreuung nicht sichergestellt ist.» Jürg Eberle, Leiter des Migrationsamts des Kantons St. Gallen, lässt den Vorwurf nicht so stehen. «Das Zentrum ist für Familien ausgelegt. Es ist keineswegs so, dass die Jugendlichen dort isoliert sind. Wir haben zusätzliches Lehr- und Betreuungspersonal abgestellt, um die Jugendlichen optimal zu betreuen.»

Im Kanton St. Gallen werden laut Eberle alle Familien – Frauen, Männer und Ehepaare mit Kindern – in den Kollektivzentren des Kantons einquartiert. «Die Zivilschutzanlagen im Riethüsli und in St. Gallenkappel sind nur für allein reisende Männer und Frauen als vorübergehende und befristete Notmassnahme vorgesehen.»

Ein separates Zentrum für die jungen Flüchtlinge zu eröffnen, wie das der Kanton Luzern angekündigt hat, ist für Eberle noch nicht spruchreif, «das braucht Zeit». Vorerst sei auch im neuen Zentrum in Vilters, das 2016 eröffnet werde, ein Jugendprogramm vorgesehen. «Oberbüren bleibt aber gesetzt», sagt Eberle. «Wir wollen auf die in den vergangenen 20 Jahren aufgebaute Fachkompetenz nicht verzichten.»

Kanton und Gemeinden uneins

Mit dem Hickhack zwischen Kanton und Gemeinden kann Ursula Surber, Präsidentin des 2010 gegründeten Vereins Solidaritätshaus St. Gallen, nichts anfangen: «Ich weiss nicht, wer eigentlich zuständig ist für die jungen Asylsuchenden. Auf dem Papier ist es der Kanton, doch der wird gerade von den Gemeinden kritisiert, die ab der Volljährigkeit zuständig für die jungen Flüchtlinge sind.» Viel wichtiger aber sei es doch, den 14- bis 18-Jährigen im Sinne der Chancengleichheit eine berufliche Zukunft zu ermöglichen. «Sonst entstehen zum Schluss nur hohe Sozialkosten.»

«Die meisten nicht älter als 15»

Die Jugendprogramm-Leiterin Manuela Rasmussen weiss, dass es für die Jugendlichen ein weiter Weg bis zu einer abgeschlossenen Berufslehre ist – für die meisten ist dieses Ziel unerreichbar. «Die Gesuchsteller werden immer jünger. Bis vor zwei Jahren waren sie 16 oder 17, heute sind die meisten nicht älter als 14 oder 15.» Eine Erklärung dafür hat sie nicht. Die Jugendlichen reisen alle illegal ein. «Die meisten kommen wohl mit Schleppern ins Land, zumindest ein Teil der Flucht ist organisiert», sagt Rasmussen. Nicht selten müssten die jungen Flüchtlinge auf ihrer Reise Station machen, um Geld zu verdienen, bevor sie weiterreisen könnten. Daher seien sie während Wochen unterwegs, «manche gar jahrelang». Vier von fünf Jugendlichen seien bei ihrer Ankunft in der Schweiz traumatisiert und bräuchten Hilfe.

Während der ersten ein bis drei Monate im «Thurhof» gehe es zuerst nur darum, ihren Zustand zu stabilisieren. Bis die Jugendlichen realisierten: «Ich bin sicher und muss nicht weiter flüchten.» Die älteren wechseln nach vier bis sechs Monaten in ein internes Ausbildungsprogramm, unterstützt von ausgebildeten Sozialpädagogen. «Bei Jugendlichen, die rasch Deutsch lernen oder Sozialkompetenz beweisen, versuchen wir berufliche Lösungen zu finden», sagt Rasmussen. Das seien etwa einzelne Kurse an der Gewerblichen Berufsschule St. Gallen.

Die meisten dürfen dauerhaft hier bleiben, ab der Volljährigkeit sind die Gemeinden für die Betreuung zuständig. Inzwischen hat auch der Bund reagiert: Die Jugendlichen müssen nicht länger bis zum 18. Altersjahr warten, bis der Asylentscheid vorliegt. «Nach zwei bis sechs Monaten erhalten einige den F-Ausweis für vorläufig Aufgenommene, andere gleich die Aufenthaltsbewilligung», sagt Rasmussen. Darauf habe der «Thurhof» keinen Einfluss. Mit dem Asylentscheid hätten die Jugendlichen eine Perspektive und die Gewissheit, dass es sich lohnt, wenn sie sich einsetzen.


Click: zur interessanten TEXTQUELLE Die Flüchtlinge werden immer jünger

http://www.tagblatt.ch/4413769Die Flüchtlinge werden immer jünger

Gut geschriebener Artikel! Wir wünschen uns mehr Artikel zu diesem Topic!

Topaktuelle St.Gallen – Nachricht: Noch eine Zivilschutzanlage für Flüchtlinge

Fundierter Artikel, Lesen und Geniessen!

SEVELEN. Die Gemeinde Sevelen leistet ihren Beitrag zur Bewältigung des Flüchtlingsstroms: Seit Freitagabend ist die Zivilschutzanlage Stampf für Asylbewerber geöffnet worden.

“Nachdem die Zivilschutzanlage Gams am 14. Oktober abends in Betrieb genommen wurde, leistet die Gemeinde Sevelen nun auch ihren Beitrag ab heute Abend, 16. Oktober.” Das heisst es im Newsletter der Gemeinde, der am frühen Freitagabend publik wurde. Aufgrund der anhaltenden Flüchtlingsströme sei der Gemeinderat am Vormittag über die Inbetriebnahme der Zivilschutzanlage Stampf in Kenntnis gesetzt worden. Der kantonale Führungsstab hat gemäss dem Communiqué entschieden, dass die Anlage per sofort als provisorische Unterbringung für Asylsuchende in Betrieb genommen wird.

“Momentan geht der Gemeinderat davon aus, dass die Anlage nur für die nächsten paar Tage betrieben wird”, steht im Newsletter weiter zu lesen. Die Betreuung der Asylsuchenden erfolgt über die Zivilschutzorganisation Werdenberg Süd.

Der Gemeinderat ist sich gemäss dem Communiqué bewusst, dass dies eine nicht alltägliche Situation darstelle. Aufgrund der aktuellen Notsituation in den Empfangszentren des Bundes sei es jedoch die Pflicht von allen, ihren Beitrag zur Entspannung der Situation zu leisten. (pd/red.)


Hier: zum umfassenden Eheringe-Bericht Noch eine Zivilschutzanlage für Flüchtlinge

http://www.tagblatt.ch/4392632Noch eine Zivilschutzanlage für Flüchtlinge

Der Autor hat mit diesem St.Gallener-Artikel gute Arbeit geleistet!