Frische St.Gallener – Neuigkeit: Jetzt wird zuerst weitergezügelt

Kompetenter Text, auf den Punkt gebracht.

Das neue St. Galler Naturmuseum ist eingeweiht, gestern war es erstmals regulär offen. Jetzt hält im Neubau im Stephanshorn der Alltag Einzug. Aufs Museumsteam wartet weiterhin viel Zusatzarbeit.

Alltag im Naturmuseum. Eine Primarschulklasse aus Rotmonten zieht an der Kasse und am Buffet der Cafeteria vorbei zu den Ausstellungsstücken an der weissen Rückwand des Foyers. Wie viele Jahre hat das hier hängende Krokodil auf dem Buckel, wenn damit 1623 der Grundstein für die naturwissenschaftliche Sammlung der Stadt St. Gallen gelegt wurde? In Hundertersprüngen tasten sich die Schüler ans Resultat – 393 Jahre – heran.

Die ersten zahlenden Gäste und der Quartierkater

An einem Tischchen trinken Museumsdirektor Toni Bürgin und Stiftungspräsident Arno Noger Kaffee mit einem Ehepaar aus Mörschwil: Die beiden waren die ersten zahlenden Gäste am Morgen und damit in der Geschichte des neuen Naturmuseums. Hinter dem Tresen üben zwei Angestellte den Umgang mit der hypermodernen Computerkasse.

Dort, wo sich am Samstag und Sonntag die Publikumsmassen in der Ausstellung drängten, erkunden jetzt einzelne Besucherinnen und Besucher die vielen Details der Ausstellungen. Vor der Fensterfront der Cafeteria inspiziert derweil eine Katze – ein gut genährter Quartierkater mit gelbem Halsband – den Gartensitzplatz. Der Alltag hat im Naturmuseum Einzug gehalten.

Bürgin: «Sensationelles Eröffnungswochenende»

Bisher zog das St. Galler Naturmuseum im Schnitt 30 000 Gäste im Jahr an. Im Neubau, der am Freitag, Samstag und Sonntag eröffnet wurde, sollen es künftig 50 000 sein. Wenn man im laufenden Jahr bereits nahe an diese Marke herankommen sollte, wäre das wohl dem vergangenen Eröffnungswochenende zu verdanken: Am Samstag kamen nämlich exakt 3002, am Sonntag 6028 Personen. Die an den zwei Tagen insgesamt 9030 Personen stellen einen neuen Besucherrekord fürs Museum dar.

Für einige Besucherinnen und Besucher sei der Zustrom am Eröffnungswochenende zu viel des Guten gewesen, räumt Toni Bürgin denn auch ein. Er habe einige Male gehört, man habe einen schnellen Rundgang durchs Gebäude gemacht. Die Details wolle man dann einmal «an einem normalen Tag» in Ruhe erkunden, erzählt Bürgin. Sonst kann der Museumsdirektor nur das wiederholen, was er am Wochenende dutzendfach erzählt hat: Der Neubau hat die Feuerprobe bestanden. Das Konzept «verhebt». Auch ein Massenansturm ist bewältigbar. Nachzubessern sind einzelne Details.

Ab nächster Woche wird weiter gezügelt

Auf das Museumsteam wartet jetzt allerdings nicht der Alltag, sondern weiterhin viel Arbeit. Da sind zum einen die Sammlungsstücke, die immer noch im Kulturgüterschutzraum im Stadtpark eingelagert sind. Am alten Standort warten unter anderem 4500 ausgestopfte Vögel und 500 Säugetiere, darunter grosse und schwere Objekte, auf die Möbelpacker. Ebenfalls noch nicht umgezogen sind Schmetterlinge, Käfer und Muscheln; alles in allem rund 10 000 Einzelobjekte. Und ebenfalls auf den Transport in den Osten warten Steinproben, Mineralien und Fossilien, die ebenfalls viel Gewicht auf die Waage bringen. Die Zügelaktion wird schon nächste Woche fortgesetzt und soll Ende Juni 2017 abgeschlossen sein.

Neue Möglichkeiten für den Betrieb ausloten

Gefordert sein wird das Team des Naturmuseums aber auch durch die Aufnahme des Betriebs am neuen Standort. Jetzt gilt es, die Möglichkeiten, die das neue Haus bietet, auch zu nutzen. Es sei eine grosse Herausforderung, in Zukunft Jahr für Jahr 50 000 Personen ins Naturmuseum zu locken, gibt Toni Bürgin zu. Dies auch, weil das neue Haus nicht mehr an zentraler Lage in der Stadt stehe. Wenn der Neuheitsbonus abflaue, müsse man dies mit Ausstellungen, Anlässen und Werbung erreichen. Dabei werde man sicher die Synergien mit dem benachbarten Botanischen Garten nutzen.

Das neue Haus biete gegenüber dem alten Standort neue Möglichkeiten. Für Sonderausstellungen stehe mit rund 2000 Quadratmetern rund die doppelte Fläche als bisher zur Verfügung. Zudem habe man mehr Personal. Und eine Cafeteria, die viele Besucher im Stadtpark vermisst hätten. Die ersten Sonderausstellungen sind bereits in Planung: Ab Anfang März wird die traditionelle Eier-Ausstellung zu sehen sein – «grösser, schöner, attraktiver als bisher». Ab Mai wird die Helvetas-Ausstellung «Wir essen die Welt» gezeigt. Bei den Anlässen wird 2017 ausgelotet und ausprobiert, was im neuen Haus funktioniert, was neben dem bisherigen Programm angeboten werden könnte.

Alle wollen eine Führung

Derzeit ist der Neubau des Naturmuseums aber auch ein beliebtes Ziel für Hausführungen. Vereine, Clubs, Organisationen und Institutionen geben sich die Klinke in die Hand. Bis Weihnachten sind etwa drei Dutzend solcher Privatanlässe gebucht, darunter auch Weihnachtsessen. Damit, so sagt Toni Bürgin, sei eine Grenze erreicht; einzelne Anfragen habe man bereits abschlägig beantworten müssen. Für jene, die es heuer nicht schaffen, bleibt ein Trost: 2017 ist auch noch ein Jahr für einen Rundgang im Museum.


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Sehr gut und kompakt geschriebener Text. Ein spannendes Thema gebührend beschrieben.

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