Aus St.Gallen – topaktuelle News: “Du huere Chrüppel”: Stadtpolizist vor Gericht

Ein absolut lesenswerter Artikel zum Thema “St.Gallen”

Ein St.Galler Stadtpolizist muss sich am Donnerstag wegen eines Ausrasters vor Gericht verantworten. Er hatte einen Töff-Rowdy bei der Festnahme beschimpft und bedroht – Amtsmissbrauch, findet die Anklage und fordert eine Geldstrafe von 8500 Franken für den Mann.

“Wildwest in der Ostschweiz”, “St.Galler Polizist: ‘I mach di kaputt’”: Der Vorfall, der am Donnerstag vor dem St.Galler Kreisgericht verhandelt wird, sorgte vor eineinhalb Jahren für zahlreiche Schlagzeilen. Ein Töfffahrer war massiv zu schnell durch die Stadt St.Gallen gefahren. Als ihn eine Patrouille der Stadtpolizei stellte, stiess einer der beiden Beamten reihenweise Beschimpfungen aus: Er nannte den Mann unter anderem “Chrüppel”, “Latschi” und “Ratte”.

Die Helmkamera, mit welcher der Töfflenker seine wilde Fahrt aufgenommen hatte, zeichnete die üblen Worte des Beamten auf. Der Skandal war perfekt, als der Töfffahrer das Video auf Youtube hochlud und die Medien darauf aufmerksam wurden. Nun steht der betreffende Polizist vor Gericht – die Anklage wirft ihm Amtsmissbrauch vor.

Verfolgung aufgenommen
Die Anklageschrift geht detailliert auf die Geschehnisse ein, die sich bereits am 1. September 2014 zutrugen, aber erst durch das Youtube-Video im Juni 2015 an die Öffentlichkeit gelangten. Der Töff-Lenker war auf der Langgasse stadteinwärts unterwegs – mit lautem Motor und ohne Kontrollschild. Die zweiköpfige Patrouille der St.Galler Stadtpolizei nahm mit Blaulicht und Sirene die Verfolgung des Mannes auf, der in halsbrecherischer Fahrt davonfuhr. Dabei missachtete der Töfflenker zahlreiche Verkehrsregeln – er war mit bis zu 100 km/h nicht nur massiv zu schnell unterwegs, sondern überfuhr auch Rotlichter, überholte rechts oder drängte entgegenkommende Fahrzeuge ab.

“I rupf dir de Grind us”
“Zeitweilig erfolgte die Fahrt in einem eigentlichen Katz- und Mausspiel”, heisst es in der Anklageschrift. So habe der Motorradlenker die Polizisten teils aufschliessen lassen, um ihnen sogleich wieder zu entwischen. An der Verzweigung Tablatstrasse – Rehetobelstrasse im Osten der Stadt spitzten sich die Geschehnisse dann zu: Der Töfflenker stürzte ins Wiesenbord und widersetzte sich der drohenden Verhaftung. Zunächst drückte einer der Polizisten dem Motorradlenker laut Anklageschrift den Helm mehrmals stark nach hinten ins Genick, um dem Mann “die Luft abzuschneiden und ihn zur Aufgabe seines Widerstandes zu veranlassen”. In der Folge kam es zu den üblen Beschimpfungen zwischen dem Töfffahrer und dem Polizisten.

Der Motorradlenker betitelte den Beamten zunächst als “Arschloch!” und “Drecksau!”. Der Polizist reagierte darauf mit Äusserungen wie “Du huere Sau!”, “Du Chrüppel, du verdammte!”, “I rupf dir de Grind us, du!”, “Du verdammte huere Chrüppel, du elende, du!”,”No eimol wehre, du, und i mach di kaputt!”, “Du huere Latschi, du!” oder “Wa hemmer denn do für e huere Ratte!” Erst nachdem es den Polizisten gelungen war, dem Mann Handfesseln anzulegen und ihm den Helm abzuziehen, beruhigte sich die Situation.

“Alles panierte Bünzli-Bürger!”
Er habe eine Stinkwut auf die Behörden gehabt, gab der Töff-Rowdy nach dem Vorfall gegenüber dem “Blick” zu Protokoll. Schon mehrmals hätten ihm die Behörden das Leben schwer gemacht – nach einem Burnout sowie einem Konkurs habe er nichts mehr zu essen für die Familie gehabt und von den Behörden keinen Franken erhalten. Er zeigte sich zwar reuig, bezeichnete seine Fahrt aber auch als Hilferuf in der Not: “Die von der Behörde sind einfach alles panierte Bünzli-Bürger!”, sagte der Mann dem “Blick”.

Das Verhalten der Polizei bei seiner Festnahme bezeichnete der Töff-Lenker einerseits als unprofessionell. Andererseits äusserte er aber auch Verständnis dafür: “Wäre ich einer der Polizisten gewesen, hätte ich mir wohl auch ein paar aufs Dach gegeben”, so der Mann. Er war im vergangenen Frühling im abgekürzten Verfahren zu einer Freiheitsstrafe von 23 Monaten, bedingt ausgesetzt auf zwei Jahre, und einer Busse von 1000 Franken verurteilt worden – unter anderem wegen mehrfacher grober Verletzung der Verkehrsregeln (Raser-Tatbestand) und Fahrens ohne Kontrollschilder.

Probezeit von zwei Jahren beantragt
Laut der nun vorliegenden Anklageschrift gegen den Polizisten hat der Beamte durch sein Verhalten gegenüber dem Töfffahrer Amtsmissbrauch begangen – “insbesondere, indem er diesen beschimpfte und bedrohte”. Nach dem Willen der Anklage soll der Polizist eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 170 Franken zahlen – dies bedingt bei einer Probezeit von zwei Jahren. Zudem sind eine Busse von 800 Franken und die Übernahme der Verfahrenskosten beantragt.


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http://www.tagblatt.ch/4824373″Du huere Chrüppel”: Stadtpolizist vor Gericht

Dieser gelungene Bericht behandelt das Thema in unterhaltsamer und doch lehrreicher Art und Weise.

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