Frisch aus St.Gallen – topaktuell: Verjüngte Poststelle

Topaktueller Text zu einer St.Gallener Frage der heutigen Zeit.

Die Post hat ihr Filialnetz in der Stadt gestrafft. Die Lehrlingspoststelle ist geblieben, aber von St. Fiden nach Bruggen umgezogen. So jung wie das Personal ist auch der Poststellenleiter.

In der Poststelle in Bruggen herrscht an diesem Morgen reger Betrieb. Seniorinnen und Senioren lassen sich die AHV auszahlen. Briefe werden abgegeben, Einzahlungen gemacht. Die Postbeamtinnen und -beamten hinter den drei Schaltern tragen blassgelbe Hemden, Krawatte oder Schleife. Sie sind überraschend jung. Es ist nicht zu übersehen: Das Durchschnittsalter des Personals ist in dieser Filiale in den letzten Monaten deutlich gesunken. Es beträgt noch knapp 18 Jahre.

Der Grund: Die Filiale in Bruggen wird seit Mitte Juli als Lehrlingspoststelle geführt, nachdem die bisherige Lehrlingspoststelle in St. Fiden ihre Türen schloss. Sie wurde im Zuge der Umstrukturierung der Post in eine Agentur umgewandelt. Fürs Personal hatte dies eine Rochade zur Folge. Die Lehrlinge aus St. Fiden zogen nach Bruggen. Das bisherige Personal in Bruggen wird in anderen Poststellen weiterbeschäftigt.

«Lernende geniessen Sympathiebonus»

Seither macht in Bruggen eine Tafel am Eingang der Filiale darauf aufmerksam, dass es sich neu um eine Lehrlingspoststelle handelt. «Die Kunden müssen hier nicht mit einem schlechteren oder langsameren Service rechnen», sagt Markus Werner, Sprecher der Post. «Sie sollten keinen grossen Unterschied merken.» Sollte es trotzdem einmal länger dauern, hätten die Kunden in der Regel Verständnis. «Unsere Lernenden geniessen einen Sympathiebonus.»

Acht Lernende sind in Bruggen beschäftigt – je vier im zweiten und im dritten Lehrjahr. Sie führen die Poststelle in eigener Verantwortung, stehen am Schalter, sortieren Briefe, verwalten die Hauptkasse. Im Turnus übernehmen sie auch das Amt des Poststellenleiters. So kommt es, dass in Bruggen der jüngste Poststellenleiter der Stadt beschäftigt ist. Seit vergangener Woche ist das der 18jährige Raphael Frei, der das dritte Lehrjahr absolviert. Drei Monate lang ist er dafür verantwortlich, dass alles rund läuft.

In Bruggen sei am Schalter mehr los als in St. Fiden, sagt Frei. Es vergingen kaum zehn Minuten, ohne dass ein Kunde die Post betrete. Besonders hektisch sei es jeweils am Zahltag. «Da sind die Schalter nonstop ausgelastet.» An diesem Morgen steht Frei aber nicht am Schalter. Er erledigt Administratives und greift zu seinem Ablagefach. Es ist mit «Chef» angeschrieben. «Im Gegensatz zu einer Lehre auf einer normalen Poststelle haben wir mehr Verantwortung», sagt Frei.

Diese Woche leitet er zum ersten Mal die Teamsitzung. Auch das Wochenziel hat er gesetzt. Es lautet: «Wer verkauft am meisten Millionenlose?» Zur Aufgabe des «Chefs» gehört auch, den gleichaltrigen Kollegen Aufträge zu erteilen und ihnen mit Rat zur Seite zu stehen. So wird Raphael Frei an diesem Morgen drei-, viermal an den Schalter gerufen, weil einer seiner Arbeitskollegen unsicher ist oder nicht mehr weiter weiss. Einmal beschwert sich ein Kunde darüber, er habe in den letzten drei Wochen keine Post mehr erhalten. Bald kommt aus, dass der Kunde seinen Briefkasten nicht angeschrieben hat. Ein anderer Kunde will seine Post für kurze Zeit in ein Postfach umleiten lassen, und der Lernende am Schalter weiss nicht, wie er das veranlassen soll. Auch da hilft Raphael Frei weiter.

Berater mit Blick auf die Schalter

Ganz auf sich alleine gestellt sind die Lernenden in der Lehrlingspoststelle nicht. Ein Berater und eine Beraterin, beides erfahrene Postangestellte, stehen ihnen zur Seite. Mindestens einer der beiden ist immer anwesend – auch aus Sicherheitsgründen, wie es heisst. Von ihren Arbeitsplätzen aus haben sie die Schalter im Blick und merken schnell, wenn einer ihrer Schützlinge Unterstützung braucht. Denn sie wissen, wie Beraterin Gabi Haldner sagt: «Es ist nicht einfach, in der Lehre den Kunden Red und Antwort zu stehen.»


Klick HIER: zum ausserordentlich tollen Originaltext Verjüngte Poststelle

http://www.tagblatt.ch/4814840Verjüngte Poststelle

Dem Autor ist die Kunst gelungen ein komplexes Thema interessant und lehrreich nahe zu bringen.

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