Frisch aus St.Gallen – topaktuell: Ein Treffpunkt verschwindet

Topaktueller Text zu einer St.Gallener Frage der heutigen Zeit.

Jacken, was die Kleiderstangen halten, kann man im Laden von Yvonne Flammer kaufen. Doch nun geht die Geschäftsführerin in Pension. Das Ende des Ladens in Kronbühl naht.

Nicht alle kommen, um etwas zu kaufen. Im Kleiderladen von Yvonne Flammer an der Arbonerstrasse, der sich just neben der Kantonalbank befindet, gehen auch Leute ein und aus, die einfach nur plaudern wollen. «Mit dem Laden sind viele Freundschaften entstanden», sagt Yvonne Flammer. So komme es immer wieder vor, dass vor allem langjährige Kunden nur um «Hallo» zu sagen vorbeikommen. Falls man aber etwas kaufen will, berät Flammer gerne. Besonders in Sachen Fleece- und Regenjacken ist sie eine Expertin und hilft Kunden aus der ganzen Region, das passende Stück zu finden. Doch nun ist Ausverkauf. «Bis zu 70 Prozent reduziert», steht auf einem Schild vor dem Laden. Alles muss weg. Ende Jahr wird der Laden von der Bildfläche verschwinden.

Studieren geht heute über probieren

Ja, es sei ein Puzzlestück mehr in Sachen Lädelisterben, sagt die 61-Jährige. Drei Jahre lang habe sie mit dem Entscheid, den Laden aufzugeben, gerungen. Nun, da ihr Mann pensioniert ist, sei der Zeitpunkt gekommen. «Wir wollen noch eine schöne Zeit miteinander verbringen», sagt Yvonne Flammer. Schliesslich wisse man ja nie, wie es einem gesundheitlich gehen werde.

Um eine Nachfolgerin hat sich die Ladenbesitzerin nie umgesehen. Ein Grund dafür sei auch der rückläufige Umsatz gewesen. Die grossen Läden und das Internet hätten ihrem Geschäft zunehmend geschadet. Obschon sich Yvonne Flammer nicht ganz erklären kann, was an Online-Shopping so gut sein soll: «Kommt es wirklich günstiger, wenn man jedesmal die Kleider zurückschicken muss, wenn sie einem nicht passen?» Nein, für sie sei das nichts. Man müsse die Kleider probieren können.

Verändert hat sich in den vergangenen Jahrzehnten auch die Arbeitswelt. Früher mussten sich Bauarbeiter und Handwerker selber um ihre Arbeitskleidung kümmern. Viele von ihnen wurden für Stahlkappenschuhe, Überhosen oder Arbeitsjacken im kleinen Lädeli an der Kronenkreuzung in Kronbühl fündig.

Garage als erstes Ladenlokal

Angefangen hat alles vor dreissig Jahren. Die Mutter einer Tochter und eines Sohnes wurde durch ein Zeitungsinserat auf die Kleidermarke Strong aufmerksam. Weil sie bei ihren Kindern bleiben und zu Hause arbeiten wollte, verkaufte sie die «Strong»-Artikel daheim in der Garage. Etwa zehn Jahre später konnte die Familie das Haus mit integriertem Ladenlokal an der Arbonerstrasse 3 erwerben. Yvonne Flammer verkaufte dann unter anderem Markenkleider von Switcher, Wikland, Raichle, Rukka und Helly Hansen. Das Geschäft mit ihren liebgewordenen Kunden lief gut. Auch Kinderkleidung ging über den Ladentisch, «und für die Kinder gab es eine Spielecke». Bevor Aldi und Lidl «mit kaum nachvollziehbaren Preisen lockten», kleidete Yvonne Flammer ganze Waldkindergärten ein. Doch der Umsatz habe nicht im Zentrum gestanden, sagt Flammer. Und so habe sie auch kein Problem gehabt, zu den Kunden ehrlich zu sein und zu sagen: «Nein, das passt nun wirklich nicht zu dir.»

Auf der relativ kleinen Fläche sind auch jetzt noch unzählige Jacken aufgehängt. Das Haus werde man behalten und das Erdgeschoss für private Zwecke neu einrichten. Für schöne Momente in der Pension, in der das Ehepaar Flammer auch mal mit dem Wohnwagen oder mit dem Töff unterwegs sein werde.


Hier: zum interessanten Eheringe Report Ein Treffpunkt verschwindet

http://www.tagblatt.ch/4798401Ein Treffpunkt verschwindet

Dem Verfasser des Artikels ist es gelungen das Thema kompetent zu behandeln.

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