St.Gallen-News: «Wir haben klare Spielregeln»

Topaktueller Text zu einer St.Gallener Frage der heutigen Zeit.

Auf dem Güterbahnhof entsteht ein Quartier für Kreative. Der Testlauf dafür dauert noch bis Ende Monat. Gabriela Falkner und Jasmin Häne erklären, warum im «Lattich» strenge Vorschriften gelten und nicht nur Hipster willkommen sind.

ST.GALLEN. Es ist kalt geworden in der SBB-Lagerhalle auf dem Güterbahnhof. Für die letzten Tage der Zwischennutzung wird es ein Heizgebläse brauchen. Kulturmanagerin Gabriela Falkner und Jasmin Häne von der Regio Appenzell-Ausserrhoden-St.Gallen-Bodensee kommen aus dem Sitzungszimmer. Gerade haben sie zusammen mit Zürcher Planern und Vertretern der Stadt die Zukunft des Güterbahnhofs entworfen. Ein Containerdorf soll hier entstehen; ein Quartier mit Arbeitsplätzen für Kreative. «Lattich» heisst diese Vision, die Anfang September als zweimonatiges Experiment gestartet ist.

Welches war Ihr schönster «Lattich»-Moment bis jetzt?

Jasmin Häne: Das war wohl das Frühstück am Anfang der Zwischennutzung. Wir hatten nach den Sommerferien und nach Vorliegen der Baubewilligung nur eine kurze Vorlaufzeit gehabt und wenig Werbung gemacht. Dennoch kamen 100 Leute.

Gabriela Falkner: Für mich war es der Tag der offenen Rolltore. Wir wurden erstmals als «Lattich»-Projekt sichtbar. Die Neugier war spürbar, wir zählten 200 Leute und sahen, was ein offener Raum wie unsere Halle bewirken kann.

Was genau ist «Lattich»? Ein Veranstaltungslokal? Ein Stadtentwicklungs-Projekt? Ein Hipster-Quartier?

Falkner: Wir sind keine Kulturveranstalter, wir bieten verschiedenen Menschen eine Plattform. Wir wollen kein zweites Palace, keine zweite Grabenhalle, kein zweites Kugl sein.

Häne: «Lattich» ist eher ein Quartier, wo man auch essen, ein Feierabendbier trinken oder sich für eine Sitzung treffen kann.

Falkner: Es geht um Stadtentwicklung, hier soll ja ein temporäres Quartier entstehen. Die Zwischennutzung ist eine gute Gelegenheit, um die Leute erstmals hierher zu führen.

Was für Besucher kommen?

Häne: Ganz verschiedene, von jungen Familien bis älteren Neugierigen, das macht «Lattich» auch aus. Es ist ein Platz für alle, nicht nur für Hipster!

Falkner: Am Anfang dachten wir, dass das Güterbahnhof-Areal eine tote Brache sei. Ein grosser Irrtum! Viele Spaziergänger und Velofahrer kommen hier vorbei. Viele schätzen auch den «Lattich»-Ort an sich, und es bestehen ja bereits viele Zwischennutzungen im SBB-Gebäude.

Das «Kugl» nebenan war wegen einer Lärmklage lange in einen Rechtsstreit verwickelt. Haben auch Sie Probleme mit den Nachbarn?

Häne: Nein, wir haben die Nachbarn von Anfang einbezogen und auch mit dem Quartierverein geredet. Wir wussten, welche Leute wir abholen mussten. Im Vorfeld gab es eine Einsprache, aber wir haben uns zusammengesetzt und die Sache bereinigt. So lag die Bewilligung für die Nutzung der Halle rechtzeitig vor.

Falkner: Wir haben strenge Auflagen und klare Spielregeln, das ist sicher ein Grund für die hohe Akzeptanz. Ab 20 Uhr sind die Rolltore der Halle geschlossen, ab 22 Uhr spielt keine Musik mehr.

Häne: Diese Auflagen passen natürlich nicht allen. Einige Veranstalter wollten unter diesen Bedingungen keinen Anlass durchführen.

Ist die Halle trotzdem gefragt?

Häne: Ja, die Agenda hat sich schnell gefüllt. Auch jetzt finden trotz Herbstferien ständig Anlässe statt. Das entspricht auch der Erfahrung der Regio Appenzell-Ausserrhoden-St. Gallen-Bodensee aus anderen Projekten: In der Stadt ist die Nachfrage nach Kulturräumen viel grösser als das Angebot. Das Experiment «Lattich» wird zeigen, ob ein solches Angebot auf einer Brache wie dem Güterbahnhof entstehen kann.

Sie möchten auf dem Areal ein ganzes Containerdorf aufstellen. Wie konkret sind diese Pläne?

Häne: Bis Ende Jahr soll eine Machbarkeitsstudie vorliegen. Es gibt noch viele Details zu klären. Welche Fläche können wir nutzen? Wie viele Stockwerke darf das Containerdorf haben?

Falkner: Wir werden diese offenen Fragen so rasch als möglich mit der Stadt und dem Kanton klären. Beide Parteien sind schon jetzt involviert. Wir wollen ja nicht ins Blaue hinein planen. Es wäre toll, wenn das auch in der Ostschweiz klappen würde. Ähnlich wie die Containersiedlungen «Basislager» in Zürich und «Rakete» in Basel – einfach mit St. Galler Ausprägung.

Wenn es nach Ihnen geht: Wie sieht das Güterbahnhof-Areal im Jahr 2025 aus?

Häne: Ich stelle mir einen belebten Ort vor, einen Ort des Austauschs, wo man Dinge gemeinsam anpackt.

Falkner: Ja, einen Arbeitsort mit Austausch, das vermisse ich als Künstlerin oft. Ich hoffe, dass ich 2025 hier in einem Container arbeiten kann, also in einem inspirierenden Umfeld.


Link: zum Text «Wir haben klare Spielregeln»

http://www.tagblatt.ch/4796010«Wir haben klare Spielregeln»

Der Verfasser hat das Topic kurz und doch umfassend beschrieben.

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