Topaktuelle St.Gallen – Nachricht: Beim Arbeitgeber unentbehrlich werden

Dieser Bericht bringt es zielgenau auf den Punkt!

Die meisten Flüchtlinge sind auch nach Jahren noch abhängig von der Sozialhilfe. Ab 2017 will sie der Kanton St. Gallen mit einem Teillohnmodell für den Arbeitsmarkt qualifizieren. Vorbild ist der Kanton Graubünden.

ST.GALLEN. «Heute ist der Schritt von einem Praktikum oder einer anderen Arbeitsintegrationsmassnahme in den ersten Arbeitsmarkt zu gross», sagt Claudia Nef, Leiterin des Kompetenzzentrums Integration und Gleichstellung im Kanton St.Gallen. «Oft sind die Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommenen noch nicht so gut qualifiziert, dass die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber bereit sind, den branchenüblichen Mindestlohn zu bezahlen.» Trotz Integrationsprogrammen und aktiver Vermittlung sind nur die wenigsten arbeitsmarktfähig. Laut einer Studie des Staatssekretariats für Migration arbeiten nach fünf Jahren Aufenthalt nur rund 27 Prozent der anerkannten Flüchtlinge im Alter zwischen 18 und 65 Jahren, bei den vorläufig aufgenommenen Personen ist es nach sieben Jahren noch nicht einmal jeder zweite Flüchtling. Das gilt auch für den Kanton St.Gallen – bei den vorläufig Aufgenommenen liegt die Quote mit 32,3 Prozent gar deutlich unter dem nationalen Mittelwert. Die Mehrheit ist von der Sozialhilfe abhängig. Um in der Schweiz Fuss fassen zu können, ist aber gerade die berufliche Integration zentral.

Eine zweite Hürde ist der administrative Aufwand: Bevor heute ein Flüchtling im Kanton St.Gallen eingestellt werden kann, muss der Arbeitgeber Bewilligungen einholen – vom Amt für Migration und vom Amt für Wirtschaft, für Ausbildungsverträge braucht er zusätzlich noch grünes Licht vom Bildungsdepartement. Unter anderem geht es darum, dass die Arbeitsbedingungen orts- und branchenüblich sind und keine Dumpinglöhne bezahlt werden. Zudem zieht der Bund zehn Prozent des Lohnes bei den erwerbstätigen Asylsuchenden und vorläufig Aufgenommenen ein. Diese Sonderabgabe für erwerbstätige Personen im Asylbereich sowie die bisherige Bewilligungspflicht zur Erwerbstätigkeit für vorläufig Aufgenommene und anerkannte Flüchtlinge sollen abgeschafft und durch ein einfaches Meldeverfahren ersetzt werden, sofern das Parlament einer Änderung des Ausländergesetzes zustimmt, heisst es beim Staatssekretariat für Migration. Der Nationalrat hat vor zwei Wochen zugestimmt, der Ständerat befindet voraussichtlich in der Wintersession darüber.

Bisher nur Praktika für Flüchtlinge

Für die Integration stellt der Bund heute rund 6000 Franken pro Person zur Verfügung, ab 2018 will er bei diesen Integrationspauschalen jährlich 7,8 Millionen Franken einsparen – trotz des breiten Widerstands der Kantone. Diese Pauschale – rund 80 Prozent fliessen im Kanton St. Gallen in der Regel in Deutschkurse – reiche bereits heute nicht aus, um die Flüchtlinge so auszubilden, dass sie den hohen Anforderungen des hiesigen Arbeitsmarkts genügten, stellte die St.Galler Regierung Ende August fest. Der Kanton übernahm bisher den Mehraufwand – 2015 waren das rund 800’000 Franken; 15 Prozent der Bundesbeiträge. Der Kanton St. Gallen kennt bisher nebst den Brückenangeboten nur ein- bis sechsmonatige Praktika für Flüchtlinge. Das Ziel ist klar: «Die Arbeitgeber sollen die Flüchtlinge kennenlernen, so dass es im Nachgang zu einer Anstellung oder zu einer Lehre kommt», sagt Nef.

Unabhängig von den Zahlungen des Bundes will der Kanton St.Gallen ab 2017 ein Teillohnmodell erproben, wie es der Kanton Graubünden bereits kennt. Im Tourismuskanton mit einer grossen Zahl von niederschwelligen Arbeitsstellen im Gastrogewerbe finden beträchtlich mehr Flüchtlinge eine Arbeit als im Schweizer Durchschnitt, nämlich sechs von zehn. Die Idee: Flüchtlinge und vorläufig aufgenommene Personen können während maximal dreimal sechs Monaten zu einem tieferen als dem branchenüblichen Lohn arbeiten. Entlöhnt würden sie während des ersten Drittels zu einem Praktikumslohn, vergleichbar mit dem ersten Lehrjahr. Das zweite Drittel entspräche dem zweiten Lehrjahr (minimal 700 Franken), das dritte 70 Prozent des branchenüblichen Lohnes, minimal 2500 Franken. Die Gemeinden zahlen den Restbetrag bis zum Existenzminimum dazu. Vorgeschrieben sind Begleitmassnahmen wie Jobcoaching und die parallele Sprachförderung. «Das gäbe den regionalen Potenzialabklärungs- und Arbeitsintegrationsstellen (Repas) ein zusätzliches Instrument in die Hand», sagt Nef.

Kanton muss mit Sozialpartnern verhandeln

Bevor das Modell in Kraft tritt, sind noch einige Hürden zu nehmen. «Soll es auch in Branchen mit einem allgemeinverbindlichen Gesamtarbeitsvertrag wie etwa Gipser und Maler, dem Gastgewerbe oder dem Holz- und Gerüstbau gelten, brauchen wir die Zustimmung der Sozialpartner», sagt Nef. «Wir müssen mit den paritätischen Kommissionen an den Verhandlungstisch.» Ferner müssten Betriebe gefunden werden, die mitmachen, und es brauche Massnahmen, um keine «falschen Anreize» zu setzen. Denkbar wäre für Nef eine Art Mengengerüst – etwa eine Auflage, dass nicht mehr als 25 Flüchtlinge pro Jahr neu ins Programm einsteigen könnten.


Hier: ZUM INTERESSANTEN BERICHT Beim Arbeitgeber unentbehrlich werden

http://www.tagblatt.ch/4774746Beim Arbeitgeber unentbehrlich werden

Gut geschriebener Artikel! Wir wünschen uns mehr Artikel zu diesem Topic!

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