St.Gallen-News: Demo für bessere Unterkunft

Sehr fundierter Bericht, die Lesezeit ist gut investiert.

Bis zu 100 Demonstranten erwartet die «Aktion Zunder» bei ihrer Kundgebung nächsten Samstag. Gefordert werden Verbesserungen bei der Asylunterkunft. «Stimmungsmache», sagt der Gemeindepräsident.

Die Unterbringung von Asylsuchenden in der Gemeinde Mörschwil ist schon lange ein Thema. Der Zustand der Unterkunft Edelweiss rief diesen Sommer das Solidaritätsnetz Ostschweiz auf den Plan, gegenüber dem Gemeinderat kritisierte sie die «menschenunwürdigen Wohnbedingungen» (Tagblatt vom 12. Juli). Nun ruft die «Aktion Zunder», die sich unter anderem in der Migrationspolitik engagiert, am Samstag, 15. Oktober, zu einer Demonstration auf – unter dem plakativen Motto «Swimmingpools für alle!».

Der Slogan soll auf den «absurden Gegensatz» zwischen den Einfamilienhausquartieren in der reichen Gemeinde Mörschwil und der Situation in der Asylunterkunft hinweisen, sagt Matthias Fässler von «Zunder». Aber nicht nur Mörschwil sei gemeint, sondern der Umgang mit Flüchtlingen in der Schweiz und weltweit im Allgemeinen. Trotzdem sei es ein Ziel der Demonstration, die Lebensumstände der Asylsuchenden in Mörschwil konkret zu verbessern. Der Demonstrationszug, der sich um 14 Uhr am Bahnhof besammelt, zieht deshalb zur Unterkunft und überbringt dort Gebrauchsgegenstände wie Putzmaterial, Unterhaltungselektronik oder einen Erste-Hilfe-Kasten. Auch an solchen Dingen mangelt es im «Edelweiss» gemäss einer Medienmitteilung. Im Bewilligungsverfahren wurden 30 bis 50 Teilnehmer geschätzt, Fässler hält es für möglich, dass bis zu 100 kommen.

Saniert wird noch in diesem Jahr

Gemeindepräsident Paul Bühler ärgert sich über die Demonstration. Man habe sich mit dem Solidaritätsnetz zusammengesetzt und eine Lösung aufgegleist. «Die Unterkunft wird noch in diesem Jahr saniert», für genauere Informationen verweist er auf das nächste Mitteilungsblatt. «Und dass es an Küchen- und Putzmaterial mangelt, trifft nicht zu.» Das habe man den Organisatoren aufgezeigt, als sie die Bewilligung beantragten. «Das ist Stimmungsmache», sagt Bühler. Fässler sieht das anders. «Die Gemeinde Mörschwil hat bei der Unterbringung in den vergangenen Jahren versagt.» Und der Mangel an Küchen- und Putzmaterial sei von Bewohnern der Unterkunft an «Zunder» herangetragen worden. Zudem habe man sich selber ein Bild gemacht. «Es brauchte Druck, bis Bewegung in die Sache kam. Und wir wollen zeigen, dass dieser Druck weiterhin da ist», sagt Fässler.

«Zunder» kritisiert zudem, dass die Betreuung der Flüchtlinge auf Einzelinitiativen basiere. Aus Sicht von Bühler wird damit die Arbeit der ökumenischen Spurgruppe, die sich unter anderem um Deutschkurse, Beschäftigung und Hilfe im Alltag kümmert, abgewertet. «Mir tun die 40 Freiwilligen leid, die sich mit Herzblut engagieren. Die machen das wirklich gut.»

Jürgen Spickers koordiniert die ökumenische Spurgruppe. Er stört sich nicht an der angekündigten Demo. «Prinzipiell gibt es einen nachvollziehbaren Grund dazu. Auch wenn mittlerweile schon viel passiert ist.» Die Spurgruppe habe in der Zusammenarbeit mit der Gemeinde gute Erfahrungen gemacht. Aber dass eine politische Gruppe wie «Zunder» eine andere Herangehensweise habe und die Probleme in Mörschwil auch in einen grösseren Kontext stelle, verstehe er. Die Asylsuchenden in Mörschwil lebten nach wie vor in einer schwierigen Situation, sagt Spickers. «Aber die Gemeinde sucht intensiv nach Wohnraum, schafft eine Stelle für die Betreuung – man kann ihr aus meiner Sicht keinen mangelnden Einsatz vorwerfen.» Spickers persönlich würde an der Demonstration nicht teilnehmen. «Aber wenn sie hilft und in Mörschwil noch mehr Bewusstsein schafft, ist es eine gute Sache.»


Klick HIER: zur spannenden Quelle Demo für bessere Unterkunft

http://www.tagblatt.ch/4780650Demo für bessere Unterkunft

Gut geschriebener Artikel! Wir wünschen uns mehr Artikel zu diesem Topic!

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