Betrifft St.Gallen: Die Sonderschule geht zum Kind

Ein aktueller Artikel zu diesem aktuellen Thema St.Gallens.

Die Nebengeräusche sind verhallt, der Blick nach vorne seit 2015 frei: Mit dem Versorgungskonzept zum flächendeckenden Sonderschulunterricht schliesst der Kanton St.Gallen seine grosse Sonderpädagogik-Reform ab.

ST.GALLEN. Integration in Regelklassen oder externe Betreuung in einem Internat oder einer Tagesschule? – Im Kanton St.Gallen hatte die heikle Frage in den Jahren nach 2008 einen Streit um das neue Sonderpädagogikkonzept entfacht. Auslöser war der Bund gewesen, der die Aufgabe mit der Neuordnung des Finanzausgleichs an die Kantone übertragen hatte. Dem damals frischgewählten St.Galler Bildungschef Stefan Kölliker blies zeitweise von Seiten der Lehrer ein steifer Wind entgegen. Die Situation beruhigte sich erst, als sich alle involvierten Gruppen am runden Tisch fanden. Alexander Kummer, Leiter Amt für Volksschule, spricht zurückhaltend von einem «langen politischen Prozess», der nun abgeschlossen werde. Das gestern vorgestellte Konzept zum Sonderschulunterricht ist der letzte Puzzleteil zum Sonderpädagogikkonzept, in Kraft seit dem Schuljahr 2015/16.

Mehr Tagesplätze schaffen

Im Kanton St.Gallen sind sonderpädagogische Massnahmen für Kinder und Jugendliche mit besonderem Bildungsbedarf ab Geburt bis maximal zum vollendeten 20. Altersjahr nun Teil der Volksschule. Der Königsweg ist gefunden: Beides ist möglich, die Integration in einer Regelklasse, oder die externe Betreuung in einem Internat oder in einer Sonderschule. Dafür baut der Kanton nun vor allem im bisher unterversorgten Süden neue Angebote auf. «Das sind vor allem die Tages-Sonderschulplätze, damit Kinder mit einer Beeinträchtigung in den eigenen Familien aufwachsen können», sagt Kummer.

Quer über die Fachbereiche «Lernen und Verhalten», «Sprach- und Hörprobleme» sowie «geistige und körperliche Behinderung» wurden bisher 80 bis 90 Schulkinder im Kanton sonderpädagogisch in einem Internat oder gar ausserkantonal betreut. Damit ist es nun vorbei: In der Sprachheilschule Rheintal werden bis zu 25 Tagesplätze neu geschaffen, 18 im Bereich «Lernen und Verhalten» werden es in der Region Werdenberg-Sarganserland sein. Davon profitieren die Eltern – die Kinder müssen nicht mehr weg, sondern können in den Familien aufwachsen. Die Schulgemeinden zahlen wie bisher eine fixe Pauschale von 36 000 Franken pro Kind und Jahr, unabhängig von dessen Beeinträchtigung. Bei der Integration in Regelklassen werden die Lehrpersonen neu von Fachpersonen unentgeltlich beraten und unterstützt. Das rechnet sich finanziell: Bleiben die Kinder in der Klasse, entfällt die Pauschale an den Kanton.

Umbau in Sonderschulen

Im Kanton schlagen die Sonderschulmassnahmen mit 200 Millionen Franken jährlich zu Buche. Dabei soll es auch bleiben, die Reform ist als Nullsummenrechnung geplant. Der Aufbau der Tages-Sonderschulplätze wird mit dem Abbau von Internatsplätzen finanziert. Bei den von privaten Trägerschaften geführten Sonderschulen aber droht der Griff ins Portemonnaie: Sie müssen je nach Angebot Internatsplätze (die der Kanton nicht mehr unterstützt) ab- und dafür Tagesplätze aufbauen. «Das wird zu Veränderungen des Angebotes bei einigen Sonderschulen führen», sagt Kummer. Und: «Überversorgte Regionen werden Plätze an unterversorgte abgeben müssen.»

Alexander Kummer steht hinter dem neuen Versorgungskonzept. Vor seinem Amtsantritt vor etwas über einem Jahr war er sechseinhalb Jahre lang Rektor der Schule Buchs. «Wir hatten in der Region Werdenberg-St.Gallen keine Sonderschule im Bereich <Lernen und Verhalten> und keine Plätze an der Sprachheilschule Schaan, mit der der Kanton St.Gallen nun noch enger zusammenarbeitet.»


Klick HIER: ZUM EHERINGE-ARTIKEL Die Sonderschule geht zum Kind

http://www.tagblatt.ch/4740457Die Sonderschule geht zum Kind

Gut geschriebener Artikel! Wir wünschen uns mehr Artikel zu diesem Topic!

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