News aus St.Gallen: Stickerei für Spitzenstars

Ein topaktuller Bericht zu diesem spannenden Topic!

Rachel de Lagenest ist Designerin bei Bischoff Textil. Für diese Arbeit ist Leidenschaft, Gespür und Kreativität gefragt. Auch mit Stress und Nachtschichten muss sie klarkommen. Entschädigung erhält sie etwa dann, wenn Nicole Kidman in ihrem Design den Bund der Ehe antritt.

«Rachel, was machen wir mit dem Stoff, den Tom Ford nicht gewollt hat?» Rachel de Lagenests Ehemann ruft aus dem Nebenzimmer. Die 46-Jährige arbeitet bei Bischoff Textil an der Bogenstrasse Tür an Tür mit ihrem Gatten. Er ist Verkaufsleiter, sie Chefdesignerin für Damenoberbekleidung und zuständig für spezielle Projekte. Das heisst, sie hüllt nebst Models auch Taschen, Parfums, Weinflaschen, Mappen oder Schmuckstücke in Stickerei.

«Vor kurzem habe ich für Hublot eine Broderie-Uhr entworfen», sagt de Lagenest. Diese wurde mit dem renommierten Grand Prix de l’Horlogerie de Genève ausgezeichnet und de Lagenest wird demnächst als Botschafterin durch Asien reisen. «In meinem Beruf lerne ich ständig spannende Menschen kennen.» Insbesondere die Zusammenarbeit ausserhalb der Modeindustrie würde ihr neue Blickwinkel verschaffen. Der Hauptteil von de Lagenests Arbeit hängt aber mit Haute Couture zusammen. Davon zeugen zahlreiche Bilder in ihrem Büro. Diese zeigen Stars in ihren Stoffdesigns: Katy Perry, Rihanna, Cameron Diaz, Sandra Bullock, Amal Clooney, Charlène von Monaco oder Nicole Kidman in ihrem Hochzeitskleid. Kein Wunder, beliefert Bischoff Textil doch Couturelabels wie Chanel, Dior, Balenciaga, Oscar de la Renta, Versace, Armani oder Gucci.

Ziel: Stoff auf dem Laufsteg

Pro Jahr entwirft de Lagenest mit ihrem Team – bestehend aus vier ausgebildeten Designerinnen und einer Lehrtochter – vier Kollektionen. «Dabei kommt es nicht nur darauf an, kreative Designs zu entwerfen, sondern seine Kunden zu spüren und ihren Geschmack zu treffen.» Aus diesem Grund reist sie auch oft und betreut die breit gefächerte Kundschaft persönlich. Gleichzeitig muss sich die Designerin auf die zu Verfügung stehenden Mittel beschränken. «Es geht also nicht in erster Linie darum, ob mir meine Designs selbst gefallen, mein Ziel ist es, dass sie irgendwann auf dem Laufsteg landen.»

Inspirationsreise mit Team

Inspiration ist dennoch ein wichtiger Aspekt bei der Kreation der hochwertigen Stoffe. Vor jeder Kollektion unternimmt das Team deshalb eine Inspirationsreise. Die letzte führte nach Kopenhagen. Mit den Köpfen voller Ideen kehren die Designerinnen dann jeweils zurück in ihr Gemeinschaftsbüro in St. Gallen. Dort werden erste Entwürfe von Hand angefertigt. «Ich finde das schöner und mir gefällt der zeichnerische Aspekt.» Am Computer werden die Designs ausgearbeitet und später dem Verkaufsleiter präsentiert. «Bevor produziert wird, klärt dieser ab, ob die Anfertigung nicht zu teuer wird und ob die Kollektion ausgewogen ist.» Wenn das Design dann abgesegnet ist, beginnt ein Prozess mit vielen Arbeitsschritten, ehe die Stickereien bei den Designern landen, zu Kleidungsstücken werden und diese schliesslich an den Stars landen.

In der Nacht und unter Druck

«Unsere Produkte braucht eigentlich kein Mensch. Wir verkaufen Emotionen», sagt de Lagenest. Und damit dies gelinge, erfordere jeder Arbeitsschritt viel Leidenschaft. Auch von ihr. Und manchmal unter Druck. «Es kann sein, dass wir Spezialanfertigungen entwerfen, die sollen dann am besten vorgestern fertig sein.» Aus diesem Grund muss de Lagenest auch Nachtschichten einlegen. «Glücklicherweise habe ich ein Home-Office.» Ausserdem verfügt die zweifache Mutter über 27 Jahre Arbeitserfahrung.

Familiensache Stickerei

Bereits als Kind interessierte sich die in Wittenbach aufgewachsene St. Gallerin für Mode und perfektionierte ihre Garderobe in aufwendiger Handarbeit. Nicht von ungefähr: Ihr Vater war über 40 Jahre Chefdesigner bei Bischoff Textil, ihre Mutter war auch für das Unternehmen tätig. Nach der Diplommittelschule absolviert de Lagenest den gestalterischen Vorkurs und fängt eine Lehre als Textildesignerin, ebenfalls bei Bischoff, an. Die Wochenenden verbringt sie der Liebe wegen in Paris. Nach der Lehre zieht es die junge Designerin ganz dorthin. «Ich wollte meinen eigenen Weg gehen und mehr über mich und meine Fähigkeiten lernen.»

Für das Funkeln in den Augen

In Paris ist sie allerdings eine von Tausenden und verfügt über keinerlei Beziehungen in der Branche. «So bin ich mit meiner Mappe von Tür zu Tür gegangen und habe mich durch den Dschungel gekämpft.» In dieser intensiven und schwierigen Zeit habe sie alles gelernt, was es fürs Leben brauche. «Ich bin reifer geworden und mit der Zeit haben sich Türen geöffnet.» Während 15 Jahren lebt de Lagenest in der französischen Grossstadt, ehe sie 2003 zurückkehrt und seither mit ihrem Mann, zwei Töchtern und zwei Hunden wieder in Wittenbach wohnt.

In all den Jahren ist Rachel de Lagenest der kreative und teils stressige Job nicht verleidet. Denn auch wenn ihre Arbeit für niemanden zum Leben notwendig ist, kann sie es zumindest verschönern. «Wenn ich das Funkeln in den Augen meiner Kunden sehe, merke ich: Ganz so unwichtig ist meine Arbeit ja doch nicht.»


Klick HIER: zum ausserordentlich tollen Originaltext Stickerei für Spitzenstars

http://www.tagblatt.ch/4739190Stickerei für Spitzenstars

Klar und deutlich. Guter Artikel welcher der anspruchsvollen Thematik absolut gerecht wird.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s