Frisch aus St.Gallen – topaktuell: Integration per Händedruck

Dieser Artikel bringt es genau auf den Punkt.

Moslemische Schülerinnen und Schüler sollen sich nicht von der Begrüssung mit Handschlag dispensieren lassen können, sagt die St. Galler Regierung. Sie stützt sich dabei auf ein Gutachten zum «Fall Therwil».

ST. GALLEN. Kopftuch, Krippenspiel, Skilager, Schwimmunterricht: Wenn es um die Integration von Moslems geht, sieht sich die Schule laufend mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Die jüngste Debatte dreht sich um den Händedruck. Im April wurde publik, dass in Therwil im Baselbiet zwei Schüler moslemischen Glaubens ihrer Lehrerin den Handschlag verweigert hatten. Zudem stellte sich heraus, dass die Schule die beiden Jugendlichen mit einer Sonderbewilligung vom Händedruck dispensiert hatte.

Im Kanton St. Gallen rief der Fall Therwil gleich mehrere Parteien auf den Plan. Die CVP-EVP-Fraktion reichte im Kantonsrat eine Interpellation mit dem Titel «Integration statt religiöse Sonderregelungen» ein. Darin heisst es: «Gerade jetzt, wo zahlreiche Menschen in unserem Land Zuflucht suchen, braucht es klare Grenzen: Wer bei uns einwandert, muss unsere geltenden Rechte und Traditionen respektieren und gewillt sein, sich anzupassen.» Die Interpellation gipfelt in der Frage, ob die Regierung die Auffassung teile, dass die Anpassung an gesellschaftliche Konventionen Voraussetzung für eine gelungene Integration bilde – und ob sie willens sei, dieser Auffassung Nachdruck zu verleihen.

«Regeln gelten für alle»

Auch aus den Reihen der SVP wurde eine Interpellation zum Fall Therwil eingereicht – mit dem unmissverständlichen Titel «Gesellschaftliche Regeln gelten für alle». Die SVP will unter anderem wissen, ob die Regierung eine Haltung wie jene der Schüler in Therwil tolerieren würde.

Und die Glaubensfreiheit?

Gestern hat nun die Regierung ihre Antwort veröffentlicht. Bis jetzt seien im Kanton zwar keine Fälle bekannt, bei denen Schüler den Händedruck aus religiösen Gründen verweigert hätten. Mit der Stossrichtung der Interpellationen zeigt sich die Regierung aber grundsätzlich einverstanden: Die Einhaltung gesellschaftlicher Konventionen bilde eine «Voraussetzung für eine gelingende Integration». Die Regierung lässt aber durchblicken, dass die Sache nicht ganz einfach ist. Heikel könne es dann werden, wenn Grundrechte wie die Glaubens- und Gewissensfreiheit tangiert seien. Im Einzelfall müsse geprüft werden, ob die «geforderten Verhaltensweisen die Voraussetzungen der Bundesverfassung für Grundrechtsbeschränkungen erfüllen». Zum Handschlag äussert sich die Regierung aber deutlich: Der Händedruck gehöre in unserer Kultur «klar zu den grundlegenden Regeln des Anstands». Werde er aus geschlechtsspezifischen Gründen verweigert, sei dies diskriminierend.

Teil einer religiösen Handlung

Die St. Galler Regierung stützt ihre Argumentation auf ein Gutachten des Kantons Baselland. Dieses kommt zum Schluss, dass Schüler zum Händedruck verpflichtet werden können, wenn sie ihn aufgrund des Geschlechts verweigern und dies religiös begründen. Das öffentliche Interesse an der Gleichstellung von Mann und Frau sowie an der Integration von Ausländern sei klar höher zu gewichten als die Glaubens- und Gewissensfreiheit der Schüler, so die Begründung. Ausserdem würden Lehrpersonen sowie Mitschüler in eine religiöse Handlung einbezogen, wenn jemand den Händedruck aus religiösen Gründen verweigere. Dies unterscheide sich vom Tragen eines Kopftuchs oder vom Fernbleiben von Schwimmunterricht, Skilager oder Krippenspiel.


Hier: ZUM LESENSWERTEN TEXT Integration per Händedruck

http://www.tagblatt.ch/4732237Integration per Händedruck

Sehr gut und kompakt geschriebener Text. Ein spannendes Thema gebührend beschrieben.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s