Aus St.Gallen – topaktuelle News: Jeder 13. Rentner arbeitet weiter

Ein lesenswerter Bericht für alle St.Gallen-Interessierten.

Die Anzahl Personen, die auch nach ihrer Pensionierung weiterarbeiten, nimmt schweizweit zu. Im Kanton St.Gallen ist deren Erwerbsquote aber niedriger als im Schweizer Durchschnitt. Nicht mitgezählt wird unbezahlte Arbeit.

ST.GALLEN. Viele ältere Menschen warten sehnsüchtig auf ihre Pensionierung. Weil sie ein Leben lang körperlich schwere Arbeit geleistet haben und diese kaum noch schmerzfrei verrichten können beispielsweise. Weil sie schon einige Jahre Arbeitslosigkeit hinter sich haben und – obwohl sie kaum noch Chancen auf eine Stelle haben – sich weiter intensiv bewerben müssen. Oder einfach nur, weil sie finden, 45 Jahre Erwerbsarbeit seien genug.

Schlusslicht ist Werdenberg

Es gibt aber auch jene, die trotz AHV-Alter noch weiterarbeiten. Heute liegt die Erwerbsquote für Über-65-Jährige schweizweit bei ungefähr 12 Prozent. Das entspricht einer markanten Zunahme: 2010 lag sie noch bei 9,5 Prozent. Betrachtet man nur die Männer, so arbeiten 17 Prozent der Rentner (2010: 14 Prozent), während dies 8,2 Prozent der Rentnerinnen (2010: 6,2 Prozent) tun. Im Kanton St.Gallen sind diese Zahlen um einiges tiefer. Hier arbeiten nur 7,3 Prozent auch nach der Pensionierung weiter. Eine separate Statistik nach Geschlecht gibt es nicht. Laut Fachstelle für Statistik sind diese Zahlen Hochrechnungen. «Das Bundesamt für Statistik ermittelt sie mit Stichproben. Und wir rechnen diese dann auf den Kanton St.Gallen hoch», erklärt der stellvertretende Leiter der Fachstelle Lutz Benson. Mit einer Methode, die vom Bundesamt für Statistik vorgegeben ist. Was allerdings klar ist: Je kleiner die Einheit der Stichproben, desto grösser wird die statistische Unsicherheit.

Der Blick auf die einzelnen Städte ist dennoch interessant: Am meisten arbeitende Pensionärinnen und Pensionäre leben in Rapperswil-Jona (9 Prozent), am wenigsten in Gossau (5 Prozent). Bei den Wahlkreisen führt Rorschach (9 Prozent) vor See-Gaster (8,6 Prozent). Schlusslicht ist das Werdenberg mit 5,3 Prozent.

Wenig freie Stellen in Industrie

Dass die Erwerbsquote älterer Menschen in St.Gallen tiefer ist als im Rest der Schweiz, könnte mit der Wirtschaftsstruktur zusammenhängen. Der Anteil Arbeitnehmender in Industrie und Gewerbe ist mit 35,7 Prozent um einiges höher als im Schweizer Durchschnitt (21,4 Prozent), allein in der Metall- und Maschinenindustrie arbeiten 14 Prozent – in der ganzen Schweiz sind es durchschnittlich 10 Prozent. In der Industrie aber ist die Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren am stärksten angestiegen, im Juli 2016 waren allein in diesem Sektor über 4000 Personen auf Stellensuche. Aufgrund des starken Frankens haben viele St.Galler Unternehmen einen markanten Personalabbau gemeldet. Hinzu kommt, dass viele Jobs in dieser Branche körperlich sehr belastend sind, was sich im Alter erst recht bemerkbar macht.

Die Schweiz steht mit ihrer Beschäftigungsquote älterer Menschen bereits an der Spitze der OECD-Länder. Der liberale Think Thank Avenir Suisse fordert dennoch mehr «Seniorenjobs», und zwar nicht nur bei Kaderstellen, sondern auf allen hierarchischen Ebenen und Branchen. Damit könnte man dem herrschenden Fachkräftemangel entgegenwirken. Im Kanton St.Gallen betrifft das aber vor allem Hochschulabsolventinnen und -absolventen, die oft Kaderstellen besetzen. Bei weniger qualifizierten Arbeitnehmenden stellt sich eher die Frage, ob nicht zuerst die älteren Arbeitslosen, die noch einige Jahre bis zu ihrer Pensionierung haben, wieder in die Arbeitswelt integriert werden könnten. Im Juli waren in St.Gallen weit über ein Viertel der angemeldeten Stellensuchenden über 50 Jahre alt. Und: Je älter die Arbeitslosen sind, desto länger bleiben sie es auch. Vor allem in gewerblichen Berufen werden sie kaum je wieder angestellt.

37 000 unbezahlte Vollzeitstellen

Wenn es um die Erwerbsquote von Rentnerinnen und Rentnern geht, wird eines gern vergessen: nämlich Arbeit, die nicht bezahlt wird – beispielsweise Hausarbeit, Betreuungs- und Erziehungsarbeit oder die Pflege von Angehörigen. Tatsächlich betreut jede fünfte Frau und jeder achte Mann zwischen 64 und 74 regelmässig die Enkelkinder und ermöglicht damit ihren Töchtern und Söhnen überhaupt eine Erwerbstätigkeit. Laut Bundesamt für Statistik leisten pensionierte Frauen in der Schweiz zwischen 24 und 28 Wochenstunden unbezahlte Hausarbeit. Pensionierte Männer arbeiten wöchentlich zwischen 17 und 19 Stunden im Haushalt. Dazu setzen Frauen jede Woche 14 bis 16 Stunden für die Pflege von Familienangehörigen ein, Männer 6 bis 12 Stunden. Und auch der Anteil Freiwilligenarbeit in Sport- und Kulturvereinen sowie politischen und sozial-caritativen Organisationen ist nicht zu unterschätzen. Insgesamt leisten Rentnerinnen und Rentner jährlich 25 Millionen Stunden Pflegearbeit für Familienmitglieder und 45 Millionen Stunden Freiwilligenarbeit. Das entspricht 37 000 unbezahlten Vollzeitstellen.


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http://www.tagblatt.ch/4718928Jeder 13. Rentner arbeitet weiter

Dem Verfasser des Artikels ist es gelungen das Thema kompetent zu behandeln.

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