Frisch aus St.Gallen – Topnews: Das Geschäft mit der Angst

Lesenswerter Text zu diesem spannendem Thema aus St.Gallen.

Eine komplette Sicherheitsausrüstung, gratis – diese Werbebriefe fanden einige St.Galler in ihren Briefkästen. Die Firma Dialarme aus der Westschweiz will offenbar die Ostschweiz erobern. Seriöse Anbieter reagieren skeptisch.

Die «Mitteilung an die Bewohner» tauchte in etlichen St.Galler Briefkästen auf. Die Firma Dialarme, laut Eigenwerbung «CH-Leader für Alarm und Videoüberwachung», preist ihre Sicherheitsausrüstungen an, die man gratis erhält und gratis eingebaut bekommt. Von Folgekosten ist weder im Brief noch auf der Homepage die Rede. Dabei ist genau deswegen die Firma im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen geraten. Denn auf die geschenkte Alarmanlage folgen teils hohe monatliche Kosten.

Bürger fragen nach

Bei der Stadtpolizei St.Gallen sind schon einige Anfragen eingegangen, da Bürger das Schreiben dubios fanden. Die Stadtpolizei erstellte gemeinsam mit der Sicherheitsabteilung der Kantonspolizei eine Antwort. Der Rat: Es ist besser, sich bei einem SES-zertifizierten Anbieter nach Alarmanlagen zu erkundigen. Dialarme ist nicht SES-zertifiziert, ist also nicht Mitglied im Verband Schweizerischer Errichter von Sicherheitsanlagen (SES).

Claudio Schubert, Obmann beim SES, sagt lakonisch: «Jetzt scheint die Welle auch in der Ostschweiz angekommen zu sein.» Das Unternehmen Dialarme und dessen Angebot seien ihm nicht bekannt. Aber: «Sicherlich sind solche Angebote seriös zu prüfen und sehr kritisch zu hinterfragen.»

Deutlichere Worte findet die Frauenfelder Firma Siedler Alarm. «So ein Angebot sollte man nie annehmen.» Die Firma installiert SES-geprüfte Anlagen und sagt, Sicherheit und Qualität hätten ihren Preis.

Kosten für ausgebautes System

Dem hält die Westschweizer Firma Dialarme entgegen, dass sie mit dem SES-zertifizierten Unternehmen Protectas zusammenarbeiten würde. Warum weist die Firma nicht auf die Kosten hin? «Ganz einfach deswegen, weil es keine Kosten für die Installation der Grundausrüstung gibt», sagt Lorenzo Siccardi, Direktor Deutschschweiz bei Dialarme. «Kosten treten erst auf, wenn der Kunde möchte, dass bei ihm ein perfektionierteres Alarmsystem installiert wird.» Dieses könne Tele-, beziehungsweise Videoüberwachung umfassen oder die Verbindung mit einer Interventionszentrale. Diese Angebote seien ab 29 Franken pro Monat erhältlich – eine obere Preisgrenze gebe es nicht.

Trotzdem rät Hanspeter Krüsi beim Gratisangebot zu Vorsicht. Für den Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen sind Sicherheit und Einbrüche Dauerthemen. «Sicherheitstechnisch gibt es verschiedene Anbieter, die teils auf sehr gute Art arbeiten», sagt Krüsi. Sicherheit sei heute ein Wirtschaftszweig. Bis hinunter zum kleinen Bürger würde versucht, ein Sicherheitsgefühl zu verkaufen. Bei den Anbietern finde man alles, von hochprofessionell bis zu Schluderei. Die Kantonspolizei rät, sich von einem SES-Mitglied beraten zu lassen. Oder das kostenlose Beratungsangebot der Kantonspolizei zu nutzen. Denn sinnvoller als teure Alarmanlagen sei oftmals ein technischer Schutz an Fenster und Türen, um Einbrechen zu erschweren. Auch eine Zeitschaltuhr, die Licht und Fernseher anschaltet und dadurch das Haus bewohnt erscheinen lässt, sei ein günstiger und effektiver Einbruchsschutz. «Einbrecher haben Angst vor Bürgern», sagt Krüsi. Nur sehr wenige Einbrüche geschehen, wenn der Bewohner daheim sei.

Den Briefkasten leeren

Klassiker seien auch das Briefkastenleeren und die Gartenpflege in den Ferien. Krüsi rät, auf sozialen Medien nicht zu veröffentlichen, dass man in den Ferien ist. Auch der Anrufbeantworter sei nicht zu besprechen mit der Ansage, man sei drei Wochen in den Ferien. «Das sind Tips, die wir seit Jahren wiederholen», sagt Krüsi.

Am wichtigsten sei sowieso die Nachbarhilfe. Dazu gehört, die Nachbarn zu informieren, wenn man wegfährt, damit sie reagieren, wenn sich jemand in der Wohnung zu schaffen macht. «Wir müssen den Einbrechern das Einbrechen schwermachen», sagt Krüsi.

In Gebieten, wo die soziale Kontrolle erhöht werde, gehe die Einbruchsrate runter. Zudem könne eine Alarmanlage auch Folgekosten nach sich ziehen: «Beim ersten Fehlalarm kostet ein Anrücken der Polizei nichts», sagt Krüsi. «Beim zweiten Fehlalarm werden 300 Franken fällig, beim dritten 400 Franken, beim sechsten und jedem weiteren Fehlalarm innerhalb eines Kalenderjahres 800 Franken – plus Mehrwertsteuer.»

Doch das Geschäftsmodell von Dialarme scheint aufzugehen. Es sei noch verfrüht, hier eine Bilanz zu ziehen, sagt Lorenzo Siccardi. «Wir sind aber aufgrund des erweckten Interesses überzeugt, dass unsere Werbekampagne fruchtet und uns neue Kunden einträgt.»


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Gut geschriebener Artikel! Wir wünschen uns mehr Artikel zu diesem Topic!

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