Frisch aus St.Gallen – topaktuell: Region wird parteiloser und männlicher

Fundierter Bericht, das Lesen lohnt sich.

Ein heisser Wahlherbst ist in der Region St.Gallen nicht zu erwarten. Interessant wird’s trotzdem: In Wittenbach ist der Gemeinderat erstmals seit Jahrzehnten ein reines Männergremium, Häggenschwil wird fast komplett parteilos. Spätestens 2020 wird es in der Region politisch «räblen».

In vielen Berufsgruppen nimmt der Frauenanteil seit Jahren kontinuierlich zu. Auf Lokalpolitik scheinen Frauen hingegen wenig Lust zu haben. Zumindest in den Gemeinden der Region St.Gallen: Berg SG, Eggersriet, Gaiserwald, Muolen, Mörschwil, Häggenschwil und Wittenbach. Kandidierten vor vier Jahren in den sieben Gemeinden noch 36 Frauen, sind es diesmal nur noch 28 (siehe untenstehende Liste). In Wittenbach wird der Gemeinderat ab 2017 nach 24 Jahren gar erstmals wieder ein reines Männergremium sein.

Erst die zweite Gemeinderätin

Wittenbachs erste Gemeinderätin überhaupt war Maria Muheim, CVP. Sie trat ihr Amt 1993 an. Ihre Nachfolgerin Marlies Lorenz, ebenfalls CVP, wirkt seit 2001 mit grossem Engagement im Rat und tritt Ende Jahr altershalber zurück. Auch in Häggenschwil könnte der Gemeinderat nach Erika Brändles Rücktritt künftig ohne Frau sein. Um die drei Sitze bewerben sich vier Kandidaten, darunter Gaby Helfenberger als einzige Frau. Allgemein finden sich die meisten Frauen im Schulrat. Aber auch dort ist zumindest das Präsidium grösstenteils in Männerhand. Nur gerade zwei der sieben Gemeinden haben künftig eine Schulpräsidentin: Wittenbach mit Ruth Keller, die seit 2007 im Amt ist und Berg SG mit Anneliese Leitner, seit 2013 im Amt.

SP nur in Wittenbach vertreten

Eine weitere Tendenz ist bei den Parteien festzustellen. Gehörten vor Jahren noch praktisch alle Amtsträger in der Region der CVP oder der FDP an, sind die Parteilosen heute die zahlreichste Gruppe. Um die insgesamt 123 Sitze in Gemeinderat, Schulrat und GPK, die im Herbst gewählt werden, bewerben sich 54 Parteilose. Die CVP stellt 36 Kandidaten, die FDP 27, die SVP 9. Die SP ist einzig in Wittenbach in der Behörde vertreten. Mit Thomas Zünd als Gemeinderat.

Eine Rolle spielen Parteien heutzutage fast nur noch in den grösseren Gemeinden. In Berg SG sind sämtliche Kandidaten parteilos, in Häggenschwil alle bis auf zwei, in Eggersriet 15 von 22 Kandidaten. Am wenigsten Parteilose gibt es in Mörschwil. Dort ist Gemeinderat Martin Wirth der einzige.

Ob parteilos oder nicht, viel verändern wird sich politisch in der Region in nächster Zeit nicht. Am 25. September sind gerade einmal zwei Schlüsselpositionen zu besetzen: Berg SG bekommt einen neuen Gemeindepräsidenten, einziger Kandidat ist der 32jährige Sandro Parissenti. Und die Gaiserwalder wählen einen neuen Schulratspräsidenten. Ebenfalls einziger Kandidat ist Jürg Seitter, 54. Alles beim alten bleibt in Muolen: Dort treten sämtliche bisherigen Behördenmitglieder wieder an.

Präsidenten stehen vor Pension

Spätestens bei den Erneuerungswahlen in vier Jahren dürfte es aber politisch «räblen». Gut möglich, dass dann die meisten Gemeindepräsidien neu besetzt werden müssen – oder bereits sind. Einerseits stehen gleich mehrere Gemeindepräsidenten vor der Pension. Sowohl Mörschwils Paul Bühler als auch Häggenschwils Hans-Peter Eisenring sind heute über 60 Jahre alt, Wittenbachs Fredi Widmer wird Ende Jahr 63. Sie alle lassen sich wohl kaum für eine erneute Amtsdauer aufstellen. Mit Abstand der Amtsälteste der Region ist Paul Bühler. Er wird Mörschwil am 1. Oktober 2016 seit 25 Jahren präsidieren.

Politisch noch nicht am Ziel

Zwar noch jung ist Gaiserwalds Gemeindepräsident Boris Tschirky, CVP. Dass das Gemeindepräsidium für den heute 50-Jährigen nicht die Endstation seiner politischen Karriere sein wird, ist aber ein offenes Geheimnis. Tschirky wurde diesen Frühling auf Anhieb in den Kantonsrat gewählt und ist seit Juni auch Präsident der Vereinigung der St.Galler Gemeindepräsidenten (VSGP). Zieht es Regierungsrat Beni Würth dereinst nach Bern, ist anzunehmen, dass Tschirky sein Interesse am Amt unmissverständlich signalisieren wird.

Noch jung ist auch Muolens Gemeindepräsident Bernhard Keller. 2004 wurde er, damals gerade 27-jährig, gewählt. Gut möglich, dass der heute 39-Jährige, der sein Amt mit Herzblut ausübt, eines Tages doch noch Lust verspürt, mal eine grössere Gemeinde als Muolen zu führen.

Mehr Kandidaten als Sitze

Von Kandidatenmangel kann am 25. September keine Rede sein. Einzig in Eggersriet fehlt noch ein Kandidat für die GPK. In Häggenschwil und Berg stehen sogar Kampfwahlen an im Gemeinderat. Zu solchen kommt es erstmals nach 20 Jahren auch im Parlament der Oberstufenschulgemeinde Grünau. Um die 24 Sitze buhlen 46 Kandidaten (Tagblatt vom 13. August).


Hier: ZUM AUSSERORDENTLICH TOLLEN BERICHT Region wird parteiloser und männlicher

http://www.tagblatt.ch/4724052Region wird parteiloser und männlicher

Gut geschriebener Artikel! Wir wünschen uns mehr Artikel zu diesem Topic!

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