News aus St.Gallen: «Diese Frau gehört ins Gefängnis»

Dieser Artikel bringt Licht ins St.Gallener Dunkel!

Frauen werden selten wegen sexueller Handlungen mit Kindern verurteilt. Noch seltener ist der Fall, dass sich eine Mutter am eigenen Kind vergeht. Umso grösser ist das Interesse an einem aktuellen St.Galler Fall – und die Empörung über das Urteil.

ST.GALLEN. Eine Mutter vergeht sich über Jahre am eigenen Sohn und muss nicht hinter Gitter. 22 Monate bedingt, lautet das Urteil des Kreisgerichts St.Gallen. Es hatte den Fall einer 47jährigen Frau zu beurteilen, die sich wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit ihrem Sohn und verbotener Pornographie zu verantworten hatte . «Dieses Urteil ist viel zu milde», «Diese Frau gehört ins Gefängnis», «Wenn der Täter ein Mann wäre, würde er härter angefasst»: Die Meinung ist rasch gemacht, ob in Online-Kommentaren oder am Stammtisch, ob mit oder ohne Kenntnis des konkreten Falles.

Doch was sagen jene, die sich auf politischer Ebene mehrfach für das Wohl des Kindes eingesetzt haben? So etwa die Thurgauer CVP-Ständerätin Brigitte Häberli-Koller, die sich im Co-Präsidium der Pädophilen-Initiative («Pädophile sollen nicht mehr mit Kindern arbeiten dürfen») engagiert hatte. «Ich bin sehr auf der Seite der Opfer, also der Kinder», sagt Häberli-Koller auf Anfrage. «Das Kindswohl steht im Zentrum.»

Bedauern und Erstaunen

Zum konkreten Urteil mag sich Häberli-Koller nicht äussern; sie sei nicht an der Gerichtsverhandlung gewesen, kenne die Argumente der Parteien und des Gerichts somit nicht. Das Urteil an sich sei aber «bedauernswert» und habe sie schon «erstaunt». Sie hätte sich gewünscht, das Gericht würde «ein Zeichen» setzen; die Umstände der Täterin dürften nicht derart entschuldigend angenommen werden.

Er könne sich nicht zum Strafmass äussern, ohne den konkreten Fall und die Begründung des Urteils zu kennen, sagt der Innerrhoder CVP-Ständerat Ivo Bischofberger; er hatte sich ebenfalls für die Pädophilen-Initiative engagiert. Klar stehe auch für ihn das Kindswohl im Zentrum. Es müsse immer die Frage gestellt werden: Was bringt es dem Kind?

Er könne die Strafzumessung des Gerichts schlicht nicht beurteilen, sagt auch der St.Galler SVP-Nationalrat Thomas Müller. «Dazu müsste ich die Akten kennen.» Er erinnert sich aber an einen Fall aus seiner Zeit als Anwalt vor gut 20 Jahren, bei dem das Gericht ebenfalls einen sexuellen Missbrauch zu beurteilen gehabt habe und auch eine bedingte Freiheitsstrafe gesprochen habe – aufgrund der sehr speziellen Umstände und der familiären Situation. «Das ist aber nicht der Normalfall.» Auch damals sei das Unverständnis über das Urteil gross gewesen.

«Die Strafzumessung ist Sache des Gerichts», sagt der Ausserrhoder FDP-Ständerat Andrea Caroni. Auf sexuelle Handlungen mit einem Kind steht maximal eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren; im wiederholten Fall kann sie bis auf siebeneinhalb Jahre erhöht werden. «Das ist das Höchstmass für den <worst case>, den schlimmsten Fall», sagt Caroni. Auf die 22 Monate bedingt angesprochen, meint er: «Jede Strafe unter zwei Jahren wird bedingt ausgesprochen, unabhängig von der Straftat. Das ist der Regelfall.» Caroni erinnert auch daran, dass das Gericht weitere Massnahmen getroffen habe, und dass die Verurteilung für die Frau einen Strafregistereintrag zur Folge habe.

Geschlecht ist «unbedeutend»

Fast scheint es, der Gerichtsvorsitzende habe mit der Kritik des zu milden Urteils gerechnet. So meinte er am Dienstag bei der Urteilsverkündigung: «Sexuelle Handlungen mit Kindern sind leider immer wieder Thema am Gericht.» Das Gericht habe daher Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Fällen und Urteilen – «zur Kontrolle haben wir solche Quervergleiche gezogen». Und auch zum Vorwurf, bei einem Täter wäre das Urteil härter ausgefallen, sagte er: «Wir beurteilen, was geschah. Dabei ist es unbedeutend, ob eine Frau die Täterin oder ein Mann der Täter ist.» Es sei der «Ausnahmefall», dass eine Frau angeklagt sei.

Die «NZZ am Sonntag» zitierte kürzlich Zahlen des Bundesamtes für Statistik: Demnach wurden 2014 in der Schweiz insgesamt 351 Personen wegen sexueller Handlungen mit Kindern verurteilt. Sieben von ihnen waren erwachsene Frauen. Ob es sich um Mütter gehandelt hat, wird statistisch nicht erfasst.


Click: zum interessanten Originaltext «Diese Frau gehört ins Gefängnis»

http://www.tagblatt.ch/4721345«Diese Frau gehört ins Gefängnis»

Dem Autor ist es gelungen den Text kurz und doch umfassend zu verfassen.

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