Betrifft St.Gallen: Das Wohnzimmer als Braustube

Der Text trifft den Nagel auf exakt auf den Kopf

IPAs, Summer Ales und Stouts gibt es jetzt auch aus Abtwil. Seit kurzem braut Markus Berger dort in seiner Kleinbrauerei 9030 verschiedene Biere. Probiert werden können sie Ende August am Abtwiler Jahrmarkt.

ABTWIL. Seine Wohnung in Abtwil hat Markus Berger in eine kleine Bierbrauerei umfunktioniert. Vor dem Fernseher stehen acht 25-Kilo-Säcke mit verschiedenen Malzsorten. Das Bücherregal dient als Abstellfläche für zwei Gärfässer, in der Küche steht ein riesiger Kühlschrank gefüllt mit Bier. Gleich daneben ist der Sudkessel aufgebaut, und im Flur stapeln sich Bierharasse. Markus Berger ist Abtwils neuer Bierbrauer. Im März hat er sich mit seiner Kleinbrauerei 9030 bei der Eidgenössischen Zollverwaltung registrieren lassen. Auch der Lebensmittelkontrolleur hat sein Okay gegeben. Seither sind Bergers Biere gefragt. Sechs verschiedene Sorten hat er im Angebot. Allerdings sind derzeit in seinem Onlineshop alle ausverkauft. «Dies, weil ich alle meine Biere für die Bar des Feuerwehrvereins am Abtwiler Jahrmarkt vom 26. und 27. August brauche», sagt der 26-Jährige.

Sechs eigene Biere

Berger hofft, dass seine Biere am Jahrmarkt bei den Abtwilern ankommen werden. «Es ist das erste Mal, dass die breite Öffentlichkeit meine Kreationen probieren kann», sagt er. «Meinen Freunden, der Familie und den Arbeitskollegen schmecken sie jedenfalls.» So habe sich bereits durch Mund-zu-Mund-Propaganda herumgesprochen, dass er eigenes Bier braue. «Die Nachfrage ist so gross, dass ich mit Brauen kaum mehr nachkomme», sagt er. Berger verlangt pro Flasche 3.50 bis 4 Franken. Sein Verkaufsschlager sei das Summer Ale. Zum Sortiment gehören auch noch ein India Pale Ale mit sechs Hopfensorten, ein Stout, ein Bier mit Whisky, ein Weizen- und ein Honigbier. Den Honig bezieht er bei einem befreundeten Abtwiler Imker. Da Bergers Wohnung mittlerweile zu klein geworden ist, schaut er sich derzeit nach einem geeigneten Ort um, wo er sich mit seiner Brauerei einmieten könnte. «Mein Ziel ist, mir bis Ende Jahr eine grössere Anlage zu kaufen, die 150 Liter Bier pro Sud ergibt», sagt er. Aktuell arbeitet Berger mit einem 25-Liter-Sudkessel. Seit März hat er damit 600 Liter Bier hergestellt.

Jedes Wochenende wird gebraut

Dass er einmal Bier brauen wird, hätte sich Berger, der als Gleisbaupolier bei der Südostbahn arbeitet, noch vor einem Jahr nicht ausmalen können. Damals schenkte er einem Kollegen auf den Geburtstag ein Bierbrau-Set. «Dann merkte ich, dass es mich fast noch mehr begeistert, und bestellte mir ebenfalls eins», sagt er. Und weil er keine Lust hatte auf ein Bier, das wie ein durchschnittliches Lagerbier schmeckt, fing er an, im Internet nach Rezepten zu suchen und diese mit eigenen Ideen zu ergänzen.

Jedes Wochenende ist Berger mit Brauen beschäftigt. Manchmal hilft ihm seine Freundin, etwa dabei, das Bier zu verkaufen. Denn die Bestellungen holen Bergers Kunden direkt in seiner Wohnung ab. Auch das soll sich bald ändern. «Ab 2017 will ich das Bier an meinem neuen Standort direkt ab der Rampe verkaufen», sagt er. Er werde jeweils am Samstag in seiner Brauerei brauen und gleichzeitig für die Kunden geöffnet haben.

Treffen im «Brüw»-Pub

Seit Berger mit dem Bierbrauen angefangen hat, ist er auch gut in der wachsenden St. Galler Kleinbrauerei-Szene vernetzt. «Wenn es einen neuen Brauer gibt, spricht sich das schnell herum. Ausserdem ist man auf die Hilfe der anderen angewiesen», sagt Berger, der selbst in St. Gallen aufgewachsen ist. Als er beispielsweise Flaschen für seine ersten Biere brauchte, half ihm ein anderer Kleinbrauer aus. Ausserdem sei es interessant, mit anderen Brauern über Ideen zu sprechen. In seiner Freizeit ist Berger daher auch in der neueröffneten Bar Brüw an der Zürcher Strasse 48 in St. Gallen anzutreffen. Es ist das erste Pub in der Stadt, das sich auf Biere aus Kleinbrauereien spezialisiert hat. Ob er eines Tages hauptberuflich als Bierbrauer arbeiten wird, dazu wagt er keine Prognose. «Derzeit könnte ich davon nicht leben», sagt er. «Bierbrauen ist in erster Linie meine Leidenschaft und mein Hobby. Ich werde brauen, solange mir das Freude und Spass bereitet.»


Click: zur spannenden TEXTQUELLE Das Wohnzimmer als Braustube

http://www.tagblatt.ch/4721182Das Wohnzimmer als Braustube

Ausgezeichnet verfasster Bericht, davon lesen wir gerne mehr!

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