Frische St.Gallener – Neuigkeit: ÖV ist kein Wunschkonzert

Dieser Bericht bringt es zielgenau auf den Punkt!

Mit der Neugestaltung des St. Galler Bahnhofplatzes kommt es auf dem Busnetz der Region zu einem Linientausch. Dass Ende 2018 in Mörschwil PostAuto übernimmt, und in Wittenbach die VBSG, ist ein gutschweizerischer Kompromiss.

Liebgewonnenes gibt man selten gerne her. So hält sich denn in Mörschwil derzeit die Begeisterung in Grenzen, dass die Linie 11 der VBSG bald Geschichte sein wird. Ein Vierteljahrhundert lang, seit 1992, brachte der «11er» die Mörschwiler in die Stadt (Tagblatt vom 2. August). Und auch in Wittenbach kann man sich im Moment noch nicht vorstellen, künftig von der VBSG statt von PostAuto nach St. Gallen chauffiert zu werden. Walter Schwizer, Leiter PostAuto Ostschweiz, räumt ein, dass der Wechsel auch dem Unternehmen nicht leicht fallen werde. «Aus emotionaler Sicht bedauern wir es, Wittenbach künftig nicht mehr fahren zu können. Für uns ist es eine Paradelinie und wir haben die Fahrgäste liebgewonnen», sagt er. Schaue man aber das Gesamtkonzept des künftigen öV rund um die Stadt an, «ist es die einzig richtige Lösung».

Bahnhof ist keine Wartezone

Dem stimmt auch Ralf Eigenmann, Unternehmensleiter der VBSG, zu. «In der Gesamtsicht ist es eine intelligente Lösung», sagt er. Es sei ja nicht so, dass die VBSG mit dem «11er» eine Linie verliere, vielmehr sei es ein «orchestrierter und koordinierter Linien-Abtausch»: «Wir bekommen dafür Wittenbach.»

Konkret heisst dies: Mörschwil wird künftig im Viertelstundentakt von den Postautolinien 210 (St. Gallen-Mörschwil-Tübach-Steinach) beziehungsweise 211 (St. Gallen-Mörschwil-Tübach-Horn-Steinach) bedient. Wittenbach von der Linie 7 der VBSG (Abtwil/St. Josefen-Bahnhof SG-Heiligkreuz-Wittenbach). Nichtsdestotrotz: Der Linien-Abtausch war weder ein Wunsch der Gemeinden noch der Busunternehmen. Vielmehr ist sie das Ergebnis einer Studie, die ein Verkehrsplaner im Auftrag des kantonalen Amts für öffentlichen Verkehr gemacht hat. Er schaute dabei den ganzen öV rund um die Stadt an. Denn mit der Neugestaltung des St. Galler Bahnhofplatzes muss ab Ende 2018 auch der öV neu organisiert werden. «Wenden und warten, wie das die Linie 11 bisher am Bahnhof gemacht hat, wird nicht mehr möglich sein», sagt Patrick Ruggli, Leiter Amt für öffentlichen Verkehr. Stattdessen müsse man die Linien wo immer möglich zu einer Durchmesserlinie verknüpfen. Und falls Wartezeiten entstehen, werden diese künftig an den Endhaltestellen ausgeglichen, nicht am Bahnhof. Zudem wird der öV mehr entflochten. Die Idee: Die Stadt wird von der VBSG bedient, die Region von PostAuto oder Regiobus. Wobei Wittenbach neu zum städtischen Nahverkehr zählt.

ÖV muss der Mehrheit dienen

Im Grundsatz steht das neue ÖV-Konzept, nun geht es noch an den Feinschliff. Wie die bisherigen Linien genau verknüpft werden sollen, welche Haltestellen künftig angefahren werden, wie die befürchteten Kapazitätsengpässe zu Stosszeiten in Mörschwil ausgeglichen werden können, das alles sei Inhalt der Detailplanungen in den nächsten zwei Jahren. «Wir sind laufend im Gespräch mit den Gemeinden, der Stadt, VBSG und PostAuto», sagt Patrick Ruggli. Ziel sei: Kein Abbau der Leistungen. «Gesamthaft gesehen wird es sicher keine Verschlechterung des Angebots geben», betont auch Ralf Eigenmann. «Aber nicht sicher eine Verbesserung.»

Wermutstropfen in Mörschwil ist, dass die Haltestelle Riederen mit dem Wegfall der Linie 11 künftig nicht mehr im Viertelstundentakt, sondern nur noch 18mal pro Tag angefahren wird von den Postautolinien 240 und 241 aus Rorschach und Goldach. «Der Kanton ist sich bewusst, dass Mörschwil deswegen nicht sehr begeistert ist», sagt Patrick Ruggli, aber man müsse immer die Gesamtsicht im Auge haben.

Eine Option für Mörschwil sei auch gewesen, den Bus bis zum Bahnhof weiterzuziehen. Diese wurde nicht weiterverfolgt, wie Walter Schwizer sagt. «Der öV muss der grossen Mehrheit dienen. Wir können nicht Einzelbedürfnisse abdecken.» Stattdessen müsse weiterhin oberstes Ziel sein, «gute Leistungen zu bieten, die Freude machen».


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http://www.tagblatt.ch/4712460ÖV ist kein Wunschkonzert

Der Autor dieses Textes hat gute Arbeit geleistet: Kurzweilig und doch interessant!

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