Nachricht aus St.Gallen: Der Mann mit Diesel im Blut

Dieser Artikel bringt Licht ins St.Gallener Dunkel!

Seit bald drei Jahrzehnten steuert Heinz Soltermann Busse der VBSG durch die Stadt St. Gallen. Geändert hat sich seither vieles, geblieben ist seine Leidenschaft für den Beruf. Und seine liebste Busroute.

Mit Tabakpfeife im Mundwinkel steht Heinz Soltermann an der Bushaltestelle an der Kornhausstrasse und wartet auf den Beginn seiner Schicht. Wer vorbeigeht, grüsst ihn – ob Verkehrsangestellte oder Buschauffeur. Seit dem 1. März 1989 chauffiert der Rheinecker Fahrgäste durch St. Gallen. Der gelernte Müller arbeitete damals als Lastwagenchauffeur und sehnte sich – ein Baby war unterwegs – nach finanzieller Sicherheit. «Also habe ich mich beworben», erinnert sich Soltermann. Dann sei er «hängengeblieben».

Als Schiedsrichter im Einsatz

Entspannt lenkt er den Bus der Linie 5 zwischen Bagger und Lastwagen durch die Baustelle am Bahnhofplatz. «Im Vergleich zu früher hat es heute viel mehr Verkehr – und mehr Baustellen.» Das macht dem 52-Jährigen aber nichts aus. «Wichtig ist, dass man stets konzentriert und vorausschauend fährt», sagt Soltermann. Einen Unfall habe er noch nie verursacht, «geklöpft» habe es aber trotzdem drei oder viermal in seiner Karriere. «Schuld war ich zum Glück aber nie.»

An Wochenenden und Abenden amtet Soltermann als Schiedsrichter-Inspizient und pfeift selbst Spiele der 4. Liga. «Tagsüber sehe ich nur Autos, Busse, Velofahrer.» Es gebe deshalb nichts Schöneres, als am Wochenende aus der Stadt zu fahren und an der frischen Luft ein Fussballspiel zu leiten. Bis zu 130 Einsätze pro Jahr leistet er auf Fussballplätzen in der ganzen Region. Sogar Murat Yakin musste er als Linienrichter einmal des Feldes verweisen, als der ehemalige Natispieler noch in der 2. Liga Interregional an der Seitenlinie stand. Früher war Soltermann auch als Spieler aktiv, beim FC St. Otmar in der 2. Liga. «Ich habe aber aufgehört, als ich Chauffeur wurde.» Einige Hobbies liessen sich mit dem Beruf nicht vereinbaren.

Mit FCB-Trikot im Extrabus

Beim Schulhaus Rotmonten angekommen, wendet der Buschauffeur und fährt wieder Richtung Innenstadt. Ob das auf die Dauer nicht langweilig werde? «Mein Motto ist: Falls ich jemals an einem Morgen aufwache und unmotiviert sein sollte, dann künde ich. Das war bis jetzt aber noch nie der Fall», sagt der Buschauffeur. Busfahren sei ein Traumberuf. «Ich habe Diesel im Blut.» Kuriose Geschichten hat Soltermann, der neben seiner Tätigkeit als Chauffeur auch als Billettkontrolleur arbeitet, aber viele erlebt. So chauffierte der FC-Basel-Fan vor vielen Jahren einmal einen Extrabus voller Fans des FCSG vom Espenmoos zum Bahnhof – im Basel-Trikot. «Die haben alle gerufen: <Schaut, ein Basel-Fan hat den Bus entführt!>» Und als er vor einem Einsatz als Schiedsrichter in Chur die Spielergarderobe betrat, rief einer der Bündner Fussballer, der in St. Gallen wohnte: «Alle Billette vorweisen, bitte!»

Die Lieblingslinie

Wieder an der Kornhausstrasse angekommen, geht die Fahrt weiter Richtung Riethüsli. «Am liebsten mag ich die Linien 2 und 8, von St. Georgen zum Hinterberg und wieder zurück», sagt Soltermann. Die hügelige Route voll Kurven und engen Passagen sei ihm schon immer gelegen. Am wenigsten Begeisterung bringt Soltermann für die Linie 3 ins Heiligkreuz-Quartier auf. «Sie führt praktisch nur geradeaus, so vergeht die Zeit langsamer.»

Es ist kurz vor Mittag, der Bus füllt sich vor der erneuten Fahrt nach Rotmonten. Ob der Bus nun voll oder leer ist, hat kaum Einfluss auf die Arbeit von Heinz Soltermann. «Wenn viele Fahrgäste stehen, schaue ich öfter in den Rückspiegel», sagt er. Einmal abrupt bremsen reiche, um Leute zu Fall zu bringen. Besonders aufmerksam muss der Chauffeur zu den Stosszeiten fahren. «Dann hat es mehr Verkehr und viele Fahrgäste.» Unaufmerksamkeit könne sich dann verheerend auswirken.

Nicht wirklich einsam

Busfahrer und Schiedsrichter – beides scheinen einsame Berufungen zu sein. Allein ist man zwar nie, weder auf dem Platz noch im Bus, und doch ist man der Einzige. Heinz Soltermann vereinsamt aber nicht. «Es setzen sich immer wieder ältere Menschen ganz nach vorn zu mir und suchen das Gespräch», sagt er. Das sorgt für Abwechslung. Soltermanns Schicht dauert noch bis halb vier. Dann hat er Feierabend. Und dreht am nächsten Tag, mit einem anderen Bus auf einer anderen Linie, wieder seine Kreise durch die Stadt.


Click: ZUM UMFASSENDEN ORIGINALBERICHT Der Mann mit Diesel im Blut

http://www.tagblatt.ch/4705759Der Mann mit Diesel im Blut

Der Autor hat mit diesem St.Gallener-Artikel gute Arbeit geleistet!

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