St.Gallen-News: Der lange Weg zur Velostadt

Ein lesenswerter Bericht zu St.Gallen.

Erstaunte Blicke, kleine Staus und Ampeln mit zu kurzen Grünphasen: St.Gallen ist nicht für grössere Gruppen von Velofahrenden ausgerichtet. Weil sich das ändern soll, hat die SP am Donnerstag einen «Stadtrundgang mit Velo» organisiert.

St.Gallen ist keine Velostadt. Das zeigt sich allein schon daran, dass grosse Velofahrergruppen komisch nachgeschaut wird: Fussgänger, Autofahrer, selbst andere Velofahrer sind verdutzt, wenn ihnen gleichzeitig mehr als fünf Personen auf Velos begegnen. Die drei SP-Kandidierenden für das Stadtparlament, Gabriela Eberhard, Lukas Egli und Guido Berlinger-Bolt, wollen das ändern. Am Donnerstagabend haben sie die Bevölkerung daher zu einem «Stadtspaziergang mit Velo» eingeladen. Es kamen rund 30 Personen, um gemeinsam vom Neudorf nach Bruggen zu fahren und dabei über verkehrstechnisch gut und schlecht gelöste Beispiele für Velofahrer zu diskutieren.

Chaotische Altstadt

«In St.Gallen muss noch viel passieren, bis die Stadt für Velofahrende attraktiv wird», sagt Guido Berlinger-Bolt vor Beginn der Tour auf der Lindenstrasse, die parallel zwischen Rorschacher Strasse und den Bahngleisen verläuft. Auf der Lindenstrasse wird sich bald einiges ändern. Sie soll in eine Velostrasse umfunktioniert werden. Konkret bedeutet das, dass Velos Vortritt haben und nebeneinander fahren dürfen. St.Gallen ist nebst Zürich, Basel, Bern, Luzern und La Chaux-de-Fonds eine von sechs Städten, die mit dem Bundesamt für Strassen (Astra) im Rahmen eines Pilotprojektes solche Velostrassen testet. Die Tests sollen bis Herbst 2017 abgeschlossen sein.

Aktuell müssen die Velofahrenden auf der Lindenstrasse noch am rechten Strassenrand und hintereinander fahren. Doch abgesehen von ein paar ungünstigen und unübersichtlichen Strassenkreuzungen ist die Lindenstrasse bereits jetzt ein guter Weg für Velos. Es gibt nicht viel Verkehr und die Strasse ist ruhig gelegen. Je näher die Gruppe allerdings der Altstadt kommt, desto chaotischer wird es: Fahren 30 Velos hintereinander durch den Kreisel beim Spisertor wird schon mal kurz der übrige Verkehr lahmgelegt. Und in der Altstadt ist auch nicht immer ganz klar, welche Wege für die Fussgänger und welche für die Velofahrenden bestimmt sind. Beim Gallusplatz etwa hüpfen Passanten erstaunt zur Seite, als sie die Velogruppe bemerken.

Kreuzungen als Hürde

Eines der Hauptprobleme in St. Gallen ist die Kreuzung Kreuzbleiche-St. Leonhard, und zwar nicht nur für Velofahrende, sondern auch für Eltern mit Kinderwagen oder für ältere Personen. Wer die Kreuzung überqueren möchte, muss drei Ampeln passieren, die jeweils nur kurz grün sind. Die 30 Velofahrenden schaffen das nicht zusammen, sondern werden in drei Gruppen zerrissen. Erst vor der Reithalle gibt es wieder Platz für alle. «Es hat viele solche ungeeignete Stellen in der Stadt. Das muss geändert werden», sagt Lukas Egli. Zudem sei es an einigen Orten wie dem Gallus- und Marktplatz schwierig zu erkennen, wo denn nun die Veloparkplätze sind. «Natürlich gibt es in St. Gallen auch gute Beispiele wie etwa die neue Velostation beim Hauptbahnhof inklusive Ladestation für E-Bikes», sagt er. Ziel müsse es sein, dass jeder Bahnhof so ausgerüstet sei.

Mehr Platz für Velos

Von der Reithalle geht es weiter Richtung Bruggen, allerdings nicht entlang der Zürcherstrasse, sondern über die Velobrücke unterhalb der Autobahn. Sie ist der einzige Weg der Stadt, auf dem Velostrassen-Feeling aufkommt. Man kann wie die Fahrzeuge auf der Autobahn über einem Gas geben und in die Pedale treten oder gemütlich nebeneinander fahren und diskutieren. Genau solche Wege haben es Gabriela Eberhard angetan. Am Ende der Tour beim Schulhaus Engelwies in Bruggen sagt sie: «In Kopenhagen, der Velostadt Europas, gibt es solche Strassen überall. 45 Prozent der Kopenhagener fahren Velo.» Das sei auch die Vision für St. Gallen. «Dafür brauchen wir aber attraktive Velostrassen, mehr Velowege und vor allem mehr Platz für Velofahrende sowie und eine bessere Beschilderung.»


Click: TEXT Der lange Weg zur Velostadt

http://www.tagblatt.ch/4703384Der lange Weg zur Velostadt

Dem Verfasser des Berichtes ist es gelungen dem Thema St.Gallen voll und ganz gerecht zu werden.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s