Nachricht aus St.Gallen: Er macht mit Lust ein Geschäft

Dieser Artikel bringt es genau auf den Punkt.

Gino Iller betreibt an der Bahnhofstrasse den Laden «Erotic und Fashion». Zu seinen Kunden zählen St.Galler und Auswärtige, Junge und Alte, Männer und Frauen. Der 70-Jährige sagt, sein Beruf habe auch etwas Therapeutisches.

ST.GALLEN. Fast erinnert das Erdgeschoss von «Erotic und Fashion» an der Bahnhofstrasse an einen Tante-Emma-Laden. Der Raum und die Regale sind vollgestellt, die Artikel sind nach Grösse und Farbe sortiert, die Preise stehen auf kleinen Etiketten. Aber der Vergleich hinkt schnell. Hinter der Kasse verdeckt das Bild eines Schenkels das einer Brust. In den Regalen überlappen sich die Hüllen der Porno-DVDs, Vibratoren stehen dicht an dicht.

Und dazwischen Gino Iller. Er betreibt den Laden seit 21 Jahren. Vor ein paar Tagen ist er 70 geworden. Er sieht jünger aus, ist gebräunt und hager. Dass er sich fit halte, sei ihm sehr wichtig, sagt er. Iller spielt Tennis und macht Yoga. «Heute Mittag, als niemand im Laden war, habe ich in der Ecke da hinten einen Kopfstand gemacht.» Er zeigt auf die Wand mit den Dessous.

Kundschaft hat sich gewandelt

Ein Mann um die 60 betritt den Laden. Er tauscht eine DVD um. Wenig später kommt eine junge Frau herein, sie steht lange vor dem Regal mit den Vibratoren. Früher seien nur Männer in den Laden gekommen, sagt Iller. «Heute sind es ein bisschen mehr Männer, aber auch viele Frauen.»

Das Schutzalter liegt bei 16 Jahren. Bei jungen Menschen hätten die «Fifty Shades of Grey»-Bücher und -Filme völlig falsche Vorstellungen von Sexualität geweckt, sagt Iller. «16-Jährige sind zu mir gekommen, die glaubten, für ihre Entjungferung brauche es 50 Peitschenhiebe.»

Wird Sexspielzeug heute nicht im Internet gekauft? Ja, er spüre die Konkurrenz der Online-Händler, sagt Iller. Doch dem Laden gehe es gut. Iller betreibt eine Homepage, aber keinen Online-Handel. Das Risiko, benutzte Waren retour zu bekommen, sei zu hoch.

Die Beratung sei vielen wichtig

Für viele Kunden sei die Beratung wichtig. Sie kämen häufig mit speziellen Wünschen, die sie aus dem Internet kennen, möchten die Produkte vor dem Kauf aber anfassen. In den vergangenen Jahren seien diese technischer geworden, sagt Iller. «We Vibe» sei gerade sehr beliebt. Das kleine Gerät soll die Frau stimulieren, es kann über eine App gesteuert werden.

Immer wieder kämen Männer zu ihm, die darunter litten, dass sie zu früh ejakulierten. Er könne ihnen mit Tabletten zur Beruhigung der Nerven helfen, aber er sage ihnen auch: «Das ist auch eine Kopfsache. Daran kannst du arbeiten.» Seine Arbeit habe etwas Therapeutisches, sagt Iller.

Erst Bäcker, dann Buchhalter

Umwege haben ihn zu «Erotic und Fashion» geführt. Iller, in Teufen geboren und St.Gallen aufgewachsen, ist gelernter Bäcker und Konditor. «Ich arbeitete sechs Tage die Woche und verdiente nichts.» Also besuchte er die Abendschule und arbeitete erst als Verkäufer im Möbelhaus, später als Buchhalter.

«Mein Bruder hatte damals Probleme mit dem Gesetz und zwei Erotikläden in Zürich.» Iller übernahm sie, eröffnete weitere, 1979 einen im Linsebühl. «Das waren noch ganz andere Zeiten», sagt er. Iller musste die Ware schmuggeln. «Mir hat das Versteckspiel gefallen.» Heute dauert es einen Moment, bis Kunden ihn zwischen all der nackten Haut finden.


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http://www.tagblatt.ch/4703382Er macht mit Lust ein Geschäft

Dieser kompakte Artikel beleuchtet dieses topaktuelle Thema aus einem interessanten Blickwinkel. Spannend!

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