Aus St.Gallen – topaktuelle News: Streit um die Spuren der Nacht

Ein lesenswerter Bericht zu St.Gallen.

Sobald die lauen Sommernächte da sind, erhitzt das Thema Littering die Gemüter. Sichtbar lassen manche ihren Abfall liegen, während Stadt und Polizei Massnahmen ergreifen. Doch geht es nach einigen Privaten, passiert zu wenig.

Vor gut einer Woche stellte Barkeeper Ruedi Gamper Bilder von Müllbergen an der Sitter auf Facebook. Tausend Personen sahen sich diese an, 660mal wurde der Beitrag geteilt, 145mal kommentiert. Dabei wurden nicht nur die Übeltäter beschimpft und Entsetzen über den Abfallberg kundgetan, es wurden auch Forderungen nach Aktionen seitens Stadt und Polizei laut.

Verändertes Ausgangsverhalten

Viele Kommentatoren beschrieben, wie sie selbst nach lauen Sommernächten an verschiedensten Plätzen Flaschen, Dosen, Verpackungen, Zigarettenstummel und anderen Abfall aufsammeln müssen – ganz so wie es auch Gamper mit dem Abfall machte (Tagblatt vom 14. Juli). Wenn Private für die Stadt in die Bresche springen, macht dies den Anschein, als würde die Stadt ihren Aufgaben nicht nachkommen.

Der stellvertretende Strasseninspektor René Dietrich schreibt als Antwort auf diese Frage, man habe keine Kenntnisse von diesem Phänomen. Generell nehme das Littering in der gesamten Stadt zu. Dabei sei jeder und jede Täter oder Täterin. Die Stadt komme ihrer Aufgabe aber nach. Insbesondere mit Unterflurcontainern würde auf die Problematik reagiert. Das Thema polarisiere, weil es gesehen werde, und die Zunahme erklärt Dietrich folgendermassen: «Das Ausgehverhalten unserer Gesellschaft hat sich verändert.»

Für den aktuellen Litteringfall an der Sitter sieht er die Stadt aber nicht in der Verantwortung. «Die Sitter ist kein öffentlicher Raum und nicht im Zuständigkeitsgebiet der Stadt.» Gemäss Dionys Widmer, Sprecher der Stadtpolizei, handelt es sich um öffentlichen Grund, wo die Polizei für Littering oder vorschriftswidrige Ablagerung von Abfällen zuständig ist.

Kooperative Täterschaft

In den Facebook-Kommentaren bekommen auch die Stadtpolizisten ihr Fett weg. Diese waren nämlich an dem Abend, an dem gelittert wurde, wegen Lärmklagen an die Sitter gefahren. Eine Patrouille der Stadtpolizei hatte eine Gruppe feiernder 25-Jähriger am Fluss zur Ruhe ermahnt. Liest man die Kommentare auf dem entsprechenden Artikel auf der Tagblatt-Homepage, nerven sich einige ab der Tatsache, dass die Polizei keine Personalien aufnahm und somit nicht weiss, wer den Abfallberg liegengelassen hat.

«Wenn es verhältnismässig ist und Verdacht auf eine Straftat besteht, können wir die Identität jederzeit überprüfen und die Personalien aufnehmen», sagt Widmer. Allerdings hätten die Personen am Fluss zu diesem Zeitpunkt noch nichts Verbotenes gemacht und sich auch kooperativ gezeigt. «Wir haben sie darauf hingewiesen, die Örtlichkeit zu reinigen und den Abfall zu entsorgen. Sie haben das Feuer gelöscht und mit dem Aufräumen begonnen.» Die Beamten seien deshalb davon ausgegangen, dass kein Abfall hinterlassen werde, und hätten auf eine Personenkontrolle verzichtet. «Im nachhinein wäre das aber hilfreich gewesen.»

Schwierigkeit bei den Bussen

Die Stadtpolizei kann bei Littering und vorschriftswidriger Ablagerung von Abfällen Bussen verteilen. Für letzteren Tatbestand, in welchen Bereich der Fall an der Sitter fällt, sind 300 Franken zu berappen. 2015 wurde diese Busse fünfmal ausgestellt, dieses Jahr einmal.

Auch bei Littering droht eine Busse. Für das Wegwerfen einzelner Kleinabfälle, wie einem Zigarettenstummel, drohen 50 Franken. Letztes Jahr wurden 23 davon ausgestellt, heuer zwei. Für das Wegwerfen mehrerer Kleinabfälle drohen 200 Franken Busse. 2015 wurde eine solche fünfmal ausgestellt, heuer einmal. «Für die Polizei ist es schwierig, da sie die Bussen nur ausstellen kann, wenn sie den Tathergang selbst sieht», erklärt Widmer. Wenn die Nachbarn anrufen, die Polizei kommt und der Täter abstreitet, können die Beamten keine Busse ausstellen. Eine weitere Schwierigkeit sei es, Littering-Täter überhaupt zu eruieren. «Meistens gibt es keine Hinweise darauf, wer den Abfall hinterlassen hat.» Laut Widmer handelt es sich aber meist um Einzelfälle. «Viele nehmen ihren Abfall wieder mit.»

Schlechtes Licht auf Jugend

Dies sagt auch Andrea Thoma vom Jugendsekretariat. «Bei 95 Prozent aller Jugendlichen ist Littering kein Thema.» Der Rest lasse seinen Müll sichtbar liegen, was dann die gesamte Jugend in ein schlechtes Licht rücken würde. «Wir haben verschiedene Angebote, um Littering vorzubeugen.» Am besten funktionieren würde es, wenn man mit den Jugendlichen diskutiere und als gutes Beispiel vorangehe.


Click: ZUM GUT GELUNGENEN ARTIKEL Streit um die Spuren der Nacht

http://www.tagblatt.ch/4694142Streit um die Spuren der Nacht

Dieser kompakte Artikel beleuchtet dieses topaktuelle Thema aus einem interessanten Blickwinkel. Spannend!

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