News aus St.Gallen: Entlastung für Angehörige von Demenzkranken

Topaktueller Text zu einer St.Gallener Frage der heutigen Zeit.

Die Zahl der an Demenz erkrankter Menschen nimmt stetig zu. Die meisten Betroffenen werden zu Hause betreut. Tagesstätten bringen für die Angehörigen Entlastung. Am Mittwoch bot das Tagesheim Notkerstübli in St.Gallen Einblick in den Alltag mit Demenzkranken.

ST.GALLEN. Der Verein Spitex Centrum Notker hat vor 15 Jahren die Tagesstätte Notkerstübli mit acht Plätzen für Menschen mit Demenz gegründet. Der tägliche Umgang mit den Demenzkranken sei eine grosse Herausforderung und bringe die Angehörigen oft an ihre Grenzen, sagte Geschäftsführerin Heike Major.
Genau da setzt die Idee des Vereins an. Die Tagesstätte soll Angehörige entlasten, ihnen eine Atempause in der anstrengenden Betreuungsarbeit ermöglichen und gleichzeitig den Menschen mit Demenz eine kompetente Betreuung in einem strukturierten Tagesablauf bieten.

Durch das Tagesheim Notkerstübli in St.Gallen können Pflegebedürftige weiter zu Hause wohnen, auch wenn tagsüber die Versorgung durch die Angehörigen nicht ausreichend gewährleistet werden kann.

Die Betreuung ist ganzheitlich und aktivierend, verloren gegangene Fähigkeiten sollen wieder reaktiviert und vorhandene gestärkt und erweitert werden, erklärte Esther Inauen, Fachfrau Aktivierung und Alltagsgestaltung, beim Rundgang durch das Tagesheim.

Biographiearbeit
«Die Biographiearbeit ist ein wichtiger Baustein in der Betreuung», sagte Esther Inauen. Sie hat ein Spiel entwickelt, mit dem sie mit den Betroffenen auf eine Lebensreise geht. An diesem Tag sind sieben Besucher im Notkerstübli. Sie sitzen an einem Tisch und spielen ein Fragespiel. Je nach Stadium der Erkrankung beteiligen sie sich mehr oder weniger am Geschehen.

Auch das gemeinsame Kochen gehört zum Angebot. Im Ambulatorium können vom Arzt angeordnete Therapien durchgeführt werden. Zur Körperpflege – die laut den Betreuerinnen für die Angehörigen nicht immer einfach zu bewerkstelligen ist – steht eine barrierefreie Dusche zur Verfügung. Zudem gibt es einen Ruheraum, wo sich die Besucher zurückziehen können.

«Wir bieten auch eine temporäre Nachtstätte an», sagte Heike Major. Es stehen insgesamt vier Betten in zwei Schlafzimmern zur Verfügung. Leider werde dieses Angebot, genauso wie das Nachtcafé, noch zu wenig genutzt. Ein Fahrdienst bringt die Demenzkranken auf Wunsch von ihrem Wohnort in das Tagesheim und wieder zurück. Auch das schaffe für die Angehörigen mehr Freiraum.

Netzwerk aufbauen
Der Kantonsrat hat in der Aprilsession einen Bericht der St.Galler Regierung gutgeheissen, der aufzeigt, wie die Versorgung von an Demenz erkrankten Personen sichergestellt werden kann.

Für den Kanton St.Gallen seien zwei Ziele besonders wichtig: Die Enttabuisierung und Sensibilisierung sowie die Bereitstellung bedürfnisgerechter Angebote, um Angehörige von Demenzkranken zu entlasten, sagte Andrea Lübberstedt, Leiterin des Amtes für Soziales im Kanton St.Gallen. In diesen beiden Bereichen sollen im Kanton St.Gallen in den kommenden drei Jahren verschiedene Massnahmen ergriffen werden.

Dazu gehört der Aufbau und die Verankerung eines Netzwerks Demenz in den Regionen. Unter anderem ist eine elektronische Plattform vorgesehen. Weiter soll das Angebot an Tages- und Nachtstrukturen aufgenommen und allenfalls erhöht werden.

6600 Demenzkranke im Kanton St.Gallen
Im Kanton St.Gallen lebten 2014 schätzungsweise 6600 Menschen, die an Alzheimer oder einer anderen Form von Demenz erkrankt sind. Aufgrund der Alterung der Bevölkerung dürfte sich die Zahl bis 2035 nahezu verdoppeln.

Fünf Memory Clinics unterstützen Hausärzte und Hausärztinnen bei der Diagnostik von Hirnleistungsschwächen und bei der Beratung betroffener Familien. Dazu kommen laut Lübberstedt 110 Pflegeheime mit 6000 Plätzen. Ziel sei aber, dass Menschen mit Demenz so lange als möglich zuhause leben können.

In 98 Prozent der Fälle übernehmen Familienangehörige die Pflege und Betreuung. Betreuende Angehörige sind meist selbst im fortgeschrittenen Alter: Zwei Drittel sind über 60, 43 Prozent über 70 und 13 Prozent sogar über 80 Jahre alt.

Entlastung für Angehörige bieten Tages- und Nachtstrukturen. Im Kanton St.Gallen gibt es an 12 Standorten Tagesstätten mit 60 Plätzen sowie 20 Plätze für die Nacht. (sda)


Click: zum umfassenden Originalbericht Entlastung für Angehörige von Demenzkranken

http://www.tagblatt.ch/4688491Entlastung für Angehörige von Demenzkranken

Sehr gut und kompakt geschriebener Text. Ein spannendes Thema gebührend beschrieben.

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