St.Gallen-News: “Ich fand wieder zu mir”

Ein lesenswerter Bericht zu St.Gallen.

Obvita, der Ostschweizerische Blindenfürsorgeverein, bietet Personen mit besonderem Unterstützungsbedarf eine Berufsausbildung. 26 erlangten soeben einen Lehrabschluss. Die Hälfte wird fortan im ersten Arbeitsmarkt tätig sein.

ST.GALLEN. Christian Gerig arbeitete mehrere Jahre in der Industrie. «Ich war Maschinenführer und hatte zwei Nebenjobs. Dann erlitt ich ein schweres Burn-out.» Erst absolvierte er die Pflegeausbildung des Roten Kreuzes. «Ich rutschte mit viel Hilfe in die Pflege hinein.» Ab 2013 bildete er sich bei Obvita als Fachmann Gesundheit im Bereich Wohnen im Alter aus. In diesen Tagen bestand er die Lehrabschlussprüfung. «Ich könnte mir nichts anderes mehr vorstellen. Mir gefällt die Arbeit mit Menschen.»

Alle brauchen Unterstützung

Christian Gerig ist eher die Ausnahme. Die meisten seiner 25 Kolleginnen und Kollegen, die bei Obvita eine Berufsausbildung mit IV-Unterstützung abschlossen, sind jünger. Tonia Lewandowski aus dem Kanton Zürich begann eine Lehre in Dietlikon. «Aber es klappte im Lehrbetrieb nicht gut. Die Unterstützung fehlte, ich musste abbrechen.» Immer wieder liegt es auch am Lehrbetrieb, dass Ausbildungen scheitern. Die Auszubildenden geraten dann in eine Krise.

«Bei Obvita war ich nicht die einzige, die die Lehre mit einer Unterstützung der Invalidenversicherung absolviert. Da wird nicht mit dem Finger auf einen gezeigt.» Lewandowski schloss eine zweijährige Ausbildung als Assistentin Gesundheit und Soziales ab.

Selbständig mit dem Sohn leben

Die meisten Obvita-Lernenden arbeiten in einem Betrieb der Institution. Dazu kommen externe Praktika. Im Unterschied zu herkömmlichen Lehrbetrieben bietet Obvita eine bessere spezifischere Unterstützung, nicht nur im fachlichen, sondern auch im persönlichen Bereich. Tonia Lewandowski lebte während der Ausbildung wegen des langen Arbeitswegs in einer Obvita-Wohngruppe. Dies trifft auch auf Ahmed Mehmed und Mike Bietenholz zu. Beide bildeten sich als Hauswartmitarbeiter aus.

«Aufgrund von Problemen zu Hause musste ich zeitweise im Heim leben, wo ich auch zur Schule ging. Ich geriet an falsche Freunde und auf die schiefe Bahn», sagt Mehmed. Auch Bietenholz musste aus familiären Gründen von den Eltern wegziehen. Im Verlauf der Ausbildung schafften beide den Schritt zum selbständigen Wohnen.

Mehmed lebt inzwischen wieder bei den Eltern. Bietenholz zog beim Vater in Sevelen ein. «Das war mir ein grosses Anliegen. Obwohl der Arbeitsweg sehr lang ist, habe ich es geschafft.»

Auch Tonia Lewandowski wird fortan wieder bei den Eltern wohnen. Ähnlich erging es Corinne Huser. Infolge psychischer Probleme hatte sie die Lehre abgebrochen. «Ich musste mein Leben neu sortieren und begann hier die Lehre als Produktionsmechanikerin.»

Inzwischen schloss die Alleinerziehende nicht nur die Lehre ab. «Ich habe wieder ein funktionierendes Netzwerk und kümmere mich mit Freude um meinen vierjährigen Sohn.» Alle Lernenden wurden während der Ausbildungszeit von der IV unterstützt, arbeiten jetzt aber ab sofort oder zumindest in absehbarer Zeit ohne zusätzliche Rente auf dem ersten Arbeitsmarkt. Christian Gerig tritt eine Stelle in Waldstatt an, wo er die Pflegeleiterin bei der Lehrlingsausbildung unterstützen kann. «Weil ich gerade erst von der Schule komme. Es erfüllt mich mit Stolz, als Mann in der Pflege zu arbeiten.»

Mit dem Budenauto unterwegs

Tonia Lewandowski wird ebenfalls unabhängig in ihrem Beruf arbeiten. Corinne Huser will einige Jahre bei Obvita bleiben. Sie hat eine Stelle in der Arbeitsvorbereitung der Produktion. «Ich fand wieder zu mir», sagt sie. Ihr Fernziel ist die Ausbildung als Arbeitsagogin. Bei Mike Bietenholz steht die Rekrutenschule an. Dann beginnt auch er eine unabhängige Berufslaufbahn bei einer Hauswartsunternehmung – wie Ahmed Mehmed, der nach den Sommerferien bei einem Betrieb in Herisau anfängt. «Ich muss noch Autofahren lernen, weil ich dort mein eigenes Budenauto erhalte», erzählt er stolz. “Danach werde ich selber von Einsatzort zu Einsatzort fahren. Es gibt für mich keinen besseren Job.»


Klick HIER: ORIGINALARTIKEL “Ich fand wieder zu mir”

http://www.tagblatt.ch/4685554″Ich fand wieder zu mir”

Hoffentlich kommmt bald wieder ein Bericht zu diesem Thema

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