Aus St.Gallen – aktuelle Meldung: Busfahren ist für ihn eine Herzenssache

Ein lesenswerter Bericht zu St.Gallen.

Er sitzt bei der Haltestelle Poststrasse auf einem Campingstuhl. Seine Augen schützt er mit einer Sonnenbrille vor dem grellen Licht. In den Händen hält er ein E-Book. Rüdiger Krall liest. Alle sieben Minuten muss er sein E-Book zur Seite legen, immer dann, wenn ein Bus der Linie 3 der Verkehrsbetriebe an der Poststrasse hält. Krall zieht sich Handschuhe an. Schnurstracks geht er ans Heck des Busses, greift sich ein dünnes Seil und führt damit den Bügel des Busses an die Fahrleitung. Nach getaner Arbeit setzt sich der Mann aus Hamburg wieder auf den Campingstuhl und liest. Bis der nächste Bus an der Poststrasse hält. «Hallo Rudi», ruft eine Frau, die wie Krall ein rotes VBSG-Emblem auf dem dunkelblauen Poloshirt aufgestickt hat.

Ein Schoggi-Job? Nein!

Krall winkt ihr. Im Militär gölte seine Arbeit als Schoggi-Job – lange Pausen, wenig Arbeit. Der 49-Jährige macht auch keinen unglücklichen Eindruck. Allerdings: Rüdiger Krall macht seinen Schoggi-Job nicht freiwillig. Vor einem Jahr wurde ihm wegen eines schwachen Herzmuskels ein Schrittmacher implantiert. Seither darf er keine Busse mehr lenken. «Ich warte auf das Okay des Arztes», sagt Krall, der vor acht Jahren wegen seiner Leidenschaft, dem Wintersport, nach Luzern kam und heute in St. Gallen lebt.

Den HSV im Fernsehen

«Mein Herz schlägt für das Busfahren», sagt Krall wehmütig. Seit 1990 fahre er Bus. Zuerst 18 Jahre in der Hansestadt Hamburg, dann zwei Jahre in Luzern und seit sechs Jahren hier. Wegen seines kranken Herzmuskels wird er von den VBSG in der Werkstatt eingesetzt und jetzt während sechs Wochen als Aufbügler. «Die Tage sind lang», sagt Krall. Aber er sei dankbar, dürfe er diese Arbeit verrichten. Die VBSG seien eine gute Arbeitgeberin, hielten trotz seiner gesundheitlichen Probleme zu ihm. «Darum ist mir nicht ums Klagen», sagt Krall. Aufbügeln tut er, weil die Busse bei der Fahrt über den Bahnhofplatz wegen der Bauarbeiten dort von der Fahrleitung genommen werden und bis zur Poststrasse mit Diesel fahren. Übrigens: Die Elbe vermisst der Hamburger nicht. HSV-Spiele schaut er im Fernsehen. (dwi)


Click: ZUR TEXTQUELLE Busfahren ist für ihn eine Herzenssache

http://www.tagblatt.ch/4682001Busfahren ist für ihn eine Herzenssache

Gut geschriebener Artikel! Wir wünschen uns mehr Artikel zu diesem Topic!

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