News aus St.Gallen: «Er hat schon eine gute Lunge»

Dieser Artikel bringt es genau auf den Punkt.

Samuel Keller kommt gerade aus dem Kindergarten und ist schon ein überzeugter Posaunist. Lampenfieber kennt er nicht. Jetzt freut sich der kleine Wittenbacher mit dem Swing im Blut auf seine Solos beim Festival «Davos sounds good».

WITTENBACH. «Das ist kein Boxkampf», sagt Dai Kimoto. Der Zug der Posaune muss elegant bewegt werden, nicht ruckartig. Samuel Keller grinst, versucht die Töne locker aus dem Handgelenk zu steuern. «Du musst den Ton mit der Zunge anstossen», sagt der Lehrer. Dem Schüler gelingt es – und schon kommt der Posaunenton ganz weich daher. Samuel kann noch nicht lesen und schreiben, er hat gerade die letzten Kindergartentage hinter sich. Alles, was er auf der Posaune kann, spielt er nach Gehör. Bei Dai Kimoto, dem Trompeter und Leiter der famosen Swing Kids, lernt Samuel Posaune, seit er sechs ist.

Ein «cooles» Instrument

Der Siebenjährige, der auf einer Posaune spielt, wie sie auch die Erwachsenen haben, wirkt älter. «Nur einer im Kindsgi ist grösser als ich.» Seine Schwester spielt Saxophon, auch bei den Swing Kids. Da hat Samuel mal bei einer Probe reingeschaut, und es war klar: keine Trompete, kein Saxophon, kein Schlagzeug. Die Posaune musste es sein. Einfach «cool» sei sie und gar nicht schwer zu spielen, meint Samuel. Ein Jahr lernt er schon bei Dai Kimoto, dem erfahrenen Pädagogen, bei dem die Freude am Spiel im Zentrum steht.

Jetzt hat der zukünftige Erstklässler ein paar tolle Auftritte vor sich. Dreimal stellt sich Samuel diese Woche in Davos als Solist an der Posaune vor. Mit den Monkeys, dem Vororchester der Swing Kids. Von heute bis Sonntag steht Davos ganz im Zeichen des New-Orleans-Jazz. «Davos sounds good» heisst das Festival, an dem 15 Bands in 86 Konzerten das Tal bespielen werden. Samuel hat eifrig geprobt für sein Solo, kennt die Einsätze, die oft gar nicht leicht sind, und vertraut Dai Kimoto, dem Bandleader, dass dieser ihm die richtigen Zeichen geben wird, um sicher loszulegen. «Locker stehen, ein wenig mit den Knien hin und her und den Swing auch in den Beinen spüren», ermuntert Dai Kimoto seinen jüngsten Solisten. «Er ist überdurchschnittlich talentiert», sagt der Musiker. «Samuel hat ein ganz natürliches Feeling für Rhythmus.»

Erfahrungen als Solist hat Samuel schon gesammelt. Auch beim Auftritt im Säntispark. Nervös oder ängstlich sei er nicht gewesen, sagt er. Fast jeden Tag spielt Samuel eine halbe Stunde auf seiner Posaune. «Eine Stunde wäre noch besser», sagt Dai Kimoto mit einem Augenzwinkern. Nach Davos gibt’s erst einmal lange Sommerferien, und dann wartet die Schule. Samuel freut sich schon darauf, vor allem aufs Schreiben und Lesen. Parallel dazu wird er dann auch Musiknoten lesen lernen.

Kein Zwang zum Erfolg

Samuel ist aussergewöhnlich talentiert, und es wirkt völlig locker und unverkrampft, wenn er mit seinem Lehrer die Solos für Davos ab CD nochmals durchgeht. Pushen zum Erfolg will hier niemanden den kleinen Ausnahmebläser. Mit Freude motivieren, sich über den Sound zur musikalischen Perfektion verführen lassen, das ist das Motto von Dai Kimoto, ein Motto, das auch den ungeheuren Erfolg seiner Swing Kids ausmacht. «Samuel hat eine gute Zukunft auf der Posaune», sagt der Bandleader, «er hat jetzt schon viel Kraft und eine gute Lunge.» Die ganze Familie von Samuel kommt natürlich nach Davos mit, im Wohnwagen.


Hier: zum ausserordentlich tollen Eheringe Report «Er hat schon eine gute Lunge»

http://www.tagblatt.ch/4684164«Er hat schon eine gute Lunge»

Dem Autor ist die Kunst gelungen ein komplexes Thema interessant und lehrreich nahe zu bringen.

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