Frisch aus St.Gallen – topaktuell: Ein Juso-Sturm im Bierbecher

Fundierter Bericht, das Lesen lohnt sich.

Die Jungsozialisten der Stadt St. Gallen haben eine Petition lanciert und sammeln im Internet Unterschriften gegen die Drei-Liter-Regel, die seit 2010 am OpenAir St. Gallen gilt. Die Juso sind im Wahlkampf. Ihre Petition ist fragwürdig.

ST.GALLEN. Musikfans, die in knapp drei Wochen am 40. OpenAir St.Gallen im Sittertobel Party feiern, dürfen nur drei Liter Getränke mit aufs Festivalgelände nehmen. Diese Regel wurde 2010 eingeführt. Jetzt, knapp drei Monate vor den Wahlen ins Stadtparlament, wehren sich die Jungsozialisten der Stadt gegen diese Regelung mit einer Bittschrift. Wann und wem sie diese überreichen, war gestern noch nicht klar, wie Juso-Mitglied Oscar Lado auf Tagblatt-Anfrage sagte. Um was geht es der Juso mit ihrer Petition? Im Communiqué der Jungpartei steht wörtlich geschrieben: “Von offizieller Seite heisst es, man wolle so den Alkoholkonsum in den Griff bekommen und Missbrauch einen Riegel vorschieben.” Die Juso vermuten aber, dass die Besucher stattdessen drei Liter harten Alkohol mitnehmen und so kein Platz bleibt für Wasser oder andere alkoholfreie Getränke. Darum werde mit der Regelung genau das Gegenteil erreicht. “Auf Anfrage wollte uns der Veranstalter keine konkreten Zahlen zum Erfolg der Drei-Liter-Regel nennen”, kritisieren die Petitionäre. Das verwundert Sabine Bianchi nicht. Die OpenAir-Mediensprecherin sagt: “Es ist gar nie jemand von den Juso mit uns in Kontakt getreten in dieser Angelegenheit”. Die Drei-Liter-Regel habe man nicht eingeführt als Präventionsmassnahme gegen Alkoholmissbrauch. Der Grund sei eine Reduktion des Abfalls gewesen. “Dieses Ziel haben wir erreicht”, sagt Sabine Bianchi.

Kritik am “Schüga”-Monopol

Die Juso kritisieren auch, dass die Brauerei Schützengarten auf dem Festivalgelände ein Monopol habe. Ein Besuch des Festivals schlage auch ohne Getränke mit mehreren hundert Franken zu Buche. “Jetzt auch noch das meist junge Publikum zum Kauf von masslos überteuerten Getränken zu nötigen”, sei zu viel des Guten. Sabine Bianchi hat kein Verständnis für den Vorwurf der Profitgier. “Mit der Einführung der Drei-Liter-Regelung haben wie die Möglichkeit des Home-Delivery geschaffen.” Das heisst: Auf der Homepage des Festivals können Getränke, mit oder ohne Alkohol, in unbegrenzten Mengen zu Preisen gekauft werden, die nur leicht über den Ladenpreisen liegen. “Die Getränke werden ins Sittertobel geliefert und dort gekühlt”, erklärt die OpenAir-Sprecherin. Das Home-Delivery sei eine gute Sache, findet auch Carlos Lado, doch das sei seine persönliche Meinung, nicht jene der Juso.

Sabine Bianchi lässt auch nicht gelten, dass junge Festivalbesucher drei Literflaschen mit Schnaps füllten und die Drei-Liter-Regel den Alkoholmissbrauch geradezu fördere. “Wir appellieren an die Eigenverantwortung der Festivalbesucher”, sagt sie. Dieses Argument der Juso hält auch Jürg Niggli für “nicht richtig”. Der Geschäftsleiter der Fachstelle Suchthilfe St.Gallen sagt, aus präventiver Sicht müsste es den jungen Festivalbesuchern erlaubt sein, so viel Wasser und Süssgetränke ins Sittertobel zu nehmen, wie sie wollen. Gleichzeitig hält es Niggli für sinnvoll, dass Getränke mit hochprozentigem Alkohol am Festival teuer verkauft werden.

Trinkwasser ist gratis

Sabine Bianchi sagt zu diesem Punkt, Trinkwasser werde auf dem Festivalgelände ohnehin gratis an die Musikfans abgegeben. Esswaren dürfen die Festivalbesucher so viel mitbringen, wie sie wollen. Auch das Grillieren ist im Sittertobel erlaubt. An anderen Festivals ist der Verzehr von mitgebrachten Speisen untersagt – wie in Skihütten.


Hier: ZUM UMFASSENDEN EHERINGETEXT Ein Juso-Sturm im Bierbecher

http://www.tagblatt.ch/4658015Ein Juso-Sturm im Bierbecher

Der Verfasser des Artikels hat geschafft uns zum nachdenken anzuregen. Danke!

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