Nachricht aus St.Gallen: Marc Mächler: «Es gab Gespräche mit der SVP»

Lesenswerter Text zu diesem spannendem Thema aus St.Gallen.

Jetzt gehe es um die Person, nicht mehr um die Partei: Marc Mächler, St.Galler FDP-Regierungskandidat, über Kinderkrippen, das Image der Finanzbranche und die neue Konkurrenz im zweiten Wahlgang.

Herr Mächler, der Vizepräsident der FDP sagte nach dem ersten Wahlgang: «Egal, wer antritt, wir sind in der Favoritenrolle.» Das war wohl etwas voreilig.

Marc Mächler: Seit dem Wahlsonntag hat sich einiges geändert. Das Kandidatenfeld ist heute ein anderes. Ich würde heute nicht mehr von Favoritenrolle reden.

Hat es nach der verpassten Wahl vom 28. Februar eine Stimme in Ihnen gegeben, die sagte: «Lass es bleiben, zieh dich zurück.»?

Mächler: Nein, diese Stimme gab es nie. 76 000 St.Gallerinnen und St.Galler haben mich gewählt. Das zeigt: Es stehen sehr viele Leute hinter mir. Obwohl neue Kandidaturen dazugekommen sind, ist meine Ausgangslage noch immer so, dass ich an eine Wahl glaube.

Zuversicht tönt anders.

Mächler: Ich bin optimistisch, dass ich die Wahl gewinne.

Reiner Zweckoptimismus?

Mächler: Nein, das ist realistisch. Ich habe einen Vorsprung. Ich hatte im ersten Wahlgang Zeit, mich im ganzen Kanton bekannt zu machen. Klar ist aber auch: Es gibt nochmals einen intensiven Wahlkampf. Einen neuen, der anders geführt werden muss als der erste.

Wie anders?

Mächler: Der erste Wahlgang war kombiniert mit den Kantonsratswahlen; die Parteien standen im Vordergrund. Diese Wahlen sind vorbei. Jetzt geht es um die Persönlichkeit der Kandidierenden, jetzt geht es um Marc Mächler als Person.

Also nicht Mächler gegen die SVP, sondern Mächler gegen Esther Friedli und Richard Ammann?

Mächler: Richtig.

Was hat Sie mehr geärgert: die Kandidatur von Esther Friedli oder jene von Richard Ammann?

Mächler: Die Kandidatur von Richard Ammann ist für mich nicht nachvollziehbar.

Und deshalb ärgerlicher?

Mächler: Ärgerlich ist nicht der richtige Begriff. Richard Ammanns Chancen sind begrenzt. Hingegen war zu erwarten, dass die SVP nach dem schwachen Abschneiden von Herbert Huser im zweiten Wahlgang mit einer neuen Person antreten wird.

Die Kandidatur von Esther Friedli ist aus Ihrer Sicht gefährlicher?

Mächler: Ja.

Hatten Sie nach dem ersten Wahlgang Kontakt zur SVP?

Mächler: Es gab diverse Gespräche am Wahlabend und in der anschliessenden Session.

Stand dabei auch zur Diskussion, dass die SVP Sie unterstützt?

Mächler: Nach dem ersten Wahlgang kamen verschiedene Exponenten der SVP auf mich zu und signalisierten mir ihre Unterstützung. Doch dann trat Toni Brunner auf den Plan.

Hat die FDP auf die SVP eingewirkt, auf eine eigene Kandidatur zu verzichten?

Mächler: Nein.

Die SVP hat einen deutlich höheren Wähleranteil als die FDP. Der zweite Sitz der SVP wäre also legitim.

Mächler: Der Vergleich mit der Konkordanz hinkt bei Regierungsratswahlen. Der Bundesrat wird vom Parlament gewählt, die St.Galler Regierung vom Volk. Den Anspruch, dieselben Kräfteverhältnisse, die im Parlament gelten, müssten auch in der Regierung gelten, gibt es auf kantonaler Ebene nicht. Diesen Anspruch muss man sich erarbeiten – mit erfahrenen Persönlichkeiten, die das Volk dann auch wählt.

Für die Zukunft des Kantons spielt es keine Rolle, wer am 24. April gewählt wird. Denn was die Staatsfinanzen angeht, sind sich Mächler, Friedli und Ammann ohnehin einig.

Mächler: Wir sind uns einig, dass der Kanton mit den Finanzen sorgsam umgehen muss. Es gibt aber schon Unterschiede. Wobei ich sagen muss, dass ich das Profil von Esther Friedli gar nicht kenne, da sie bisher politisch nicht tätig war. Richard Ammann kenne ich von der Arbeit im Parlament. Ich kann mir vorstellen, dass für ihn weitere Steuererhöhungen möglich sein könnten, für mich sind sie ultima ratio.

Was können Sie besser als Ihre Konkurrenten?

Mächler: Ganz generell bringe ich nach 16 Jahren Kantonsrat breite politische Erfahrungen mit. Da liege ich gegenüber den anderen Kandidierenden sicher vorne.

Wollen Sie im zweiten Wahlgang wieder nur mit Ihrer Finanzkompetenz punkten?

Mächler: Auf keinen Fall, ich bin thematisch nicht so einseitig. Mir liegen die Regionen am Herzen. Ein starker Kanton braucht starke Regionen. Deshalb ist es wichtig, dass es in jeder Region kantonale Institutionen gibt. Zudem bin ich ein grosser Verfechter der dualen Berufsbildung. Sie ist ein Garant für eine tiefe Jugendarbeitslosigkeit. Schliesslich mache ich mich stark für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Meine Frau arbeitet als Teilzeit-Logopädin, unsere Kinder besuchen die Krippe. Solche Angebote sind wichtig.

Weshalb strebt ein gutbezahlter Kadermann einer Grossbank ein Regierungsamt an?

Mächler: Weil ich gerne politisch aktiv bin. Seit ich 22 war, engagiere ich mich politisch. Gesellschaftliche Fragen haben mich schon immer interessiert. Zudem reizt mich die Arbeit in der Regierung. Ich habe ja bereits einmal vier Jahre in einer Exekutive mitgearbeitet, als Gemeinderat auf lokaler Ebene.

Sie arbeiten in einer Branche mit lädiertem Ruf. Können Sie nachvollziehen, wenn Wählerinnen und Wähler Ihnen nicht trauen?

Mächler: Wenn Kunden mir ihr Vertrauen nicht geben, wenn ich es nicht schaffe, dieses Vertrauen immer wieder zu gewinnen, wäre ich längst nicht mehr Banker. Ich habe Loyalität gegenüber dem Unternehmen immer für wichtig gehalten – man bleibt auch im Boot, wenn es stürmt. Vertrauen ist im Banking entscheidend.

Welche Rolle spielten Sie in der Banken-Krise 2008?

Mächler: 2008 war ich noch in der politischen Beratung tätig. Ab 2009 leitete ich den Bereich institutionelle Kunden im Raum Ostschweiz. Ich hatte vor allem mit Pensionskassen zu tun.

Was macht ein politischer Berater einer Bank?

Mächler: Die Konzernleitung auf Themen hinweisen, die aktuell werden könnten. So haben wir im Bereich Entlöhnung bereits 2003 darauf hingewiesen, dass es Probleme geben könnte. Die Konzernleitung war damals überzeugt, die richtigen Argumente dagegen zu haben. Das Thema wurde falsch beurteilt.

Die St.Galler FDP steht deutlich rechts der Mitte. Sie spannt immer wieder mit der SVP zusammen. Wie wollen Sie sich nun glaubwürdig gegen die Kandidatin der SVP abgrenzen?

Mächler: Es gibt eine punktuelle Zusammenarbeit mit der SVP. Aber mindestens so häufig gibt es sie mit der CVP. In gesellschaftspolitischen Fragen arbeiten wir mehr mit der CVP und der SP, in Wirtschafts- und Finanzfragen mehr mit der SVP zusammen. Es gab immer beides und es wird immer beides geben. Zur Abgrenzung gegenüber Esther Friedli: Was ich ihr sicher voraushabe, sind 23 Jahre politische Erfahrung und Kompetenz.

Ihr Image ist jenes eines typischen Bankers: steif, strebsam, humorlos. Stimmt etwas davon?

Mächler: Das sind Klischees. Humorlos stimmt sicher nicht. Mein Pfadi-Name war Smile. Und was heisst schon steif? Wenn meine Kleidung schuld an diesem Eindruck ist, dann mag dies zutreffend sein. Ich trage beruflich Anzug und Krawatte. In den Debatten bin ich aber keineswegs steif. Politische Mitstreiter attestieren mir, dass ich für Kompromisse offen bin.

Sie sind in Zuzwil geboren und wohnen heute noch dort. Das tönt ziemlich langweilig.

Mächler: Das ist ganz einfach: Ich bin eben ein waschechter St. Galler. Mit 22 hatte ich mein erstes politisches Mandat, das bindet an einen Ort. Aber keine Sorge: Ich war schon ausserhalb von Zuzwil. Nach der Uni arbeitete ich in Zürich. In jener Zeit war ich auch viel im Ausland, ich hatte unter anderem Mandate in Schweden und Israel.

Haben Sie ein politisches Vorbild?

Mächler: Karin Keller-Sutter. Ich bewundere, wie sie gradlinig und hartnäckig ihre Ziele verfolgt – auch dann, wenn sie unpopulär sind und sie deswegen unter Druck gerät, wie beim Hooligan-Konkordat.


Hier: ZUR GUT GELUNGENEN EHERINGENEWS Marc Mächler: «Es gab Gespräche mit der SVP»

http://www.tagblatt.ch/4550168Marc Mächler: «Es gab Gespräche mit der SVP»

Dem Verfasser des Artikels ist es gelungen das Thema kompetent zu behandeln.

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