Nachricht aus St.Gallen: In 20 Stunden zur Kandidatin

Ein sehr lesenswerter Text zu diesem topaktuellen und alle St.Gallener betreffenden Thema,

Bot die SVP der FDP einen Deal an? Hätte sich die SVP ohne Brunner zurückgezogen? Wie kurzfristig erfolgte die Kandidatur von Esther Friedli? Um die Regierungskandidatur der SVP häufen sich Fragen und ranken sich Gerüchte.

ST.GALLEN. Adrian Schmidlin ist verärgert. Und das gehörig. In einer Zuschrift an die Redaktion verschafft er sich Luft. Es sei absolut unverständlich, dass die SVP-Spitze Esther Friedli als Regierungskandidatin auf den Schild hebe, ohne dass die Parteibasis ein Wörtchen mitreden könne. Für den SVPler ist klar: Es hätte eine ausserordentliche Delegiertenversammlung einberufen werden müssen – «es gibt keinen Grund für die Hektik der Parteispitze; sie hätte sich besser etwas mehr Zeit gelassen». Schmidlin ist langjähriges Parteimitglied und Gründer der Ortsparteien Rorschacherberg und Speicher.

Schmidlins Kritik geht noch weiter: «Dieser Nominationsentscheid, getroffen von ein paar wenigen Leuten, war ein Fehler.» Auf die Nachfrage, ob er damit das Vorgehen oder die Kandidatur Esther Friedlis meine, sagt er: «Beides. Ich gebe ihr keine Chance. Sie wird verheizt.»

Das erste Treffen

Fraktionspräsident Michael Götte verwahrt sich gegen die Anschuldigungen. Die Delegierten hätten sich sehr wohl zum Vorgehen äussern können – nämlich im Herbst, als die Versammlung Herbert Huser für den ersten Wahlgang nominiert habe. Damals habe der Kantonalvorstand von den Delegierten die Legitimation eingeholt, bei einem allfälligen zweiten Wahlgang selbständig entscheiden zu können. Es habe damals keinen Widerspruch gegeben.

Der Kantonalvorstand ist ein gewichtiges Gremium. Ihm gehören der kantonale Parteipräsident, die beiden Vize-Präsidenten, die fünf Nationalräte, der Fraktionspräsident, der politische Sekretär, sämtliche acht Kreispräsidenten, der Präsident der Jungpartei sowie der Regierungsrat an.

Dieses Gremium traf sich am Montagmittag nach der Wahlschlappe, um das weitere Vorgehen zu diskutieren. Schmidlin schüttelt den Kopf: «Die Nationalräte waren zu dem Zeitpunkt längst in Bern an der Session.» Bekannt ist: Toni Brunner nahm am Treffen in St.Gallen teil. Das wundert Schmidlin nicht: «Er steht bei uns hoch im Kurs.»

Götte sagt: «Toni Brunner war da. Mit den anderen Nationalräten telefonierten wir am Sonntagabend oder Montagvormittag und holten so ihre Meinung ein.»

Brunners Wort wird gehört

Nach den Gründen für seine Skepsis gegenüber der parteieigenen Kandidatin gefragt, erwähnt Schmidlin ihre Unbekanntheit. «Sie ist als Politikerin bei den Wählerinnen und Wählern nicht bekannt, nicht einmal bei den St.Galler SVP-Delegierten. Sie hat kein Netzwerk in der Partei im Kanton.» Dann sagt er: «Wir hätten uns besser zurückgezogen und Marc Mächler unterstützt.» Für Schmidlin ist klar: «Toni Brunner hat das Ruder herumgerissen. Sein Einfluss ist stark.»

Das zeigte sich bei der Nationalratsliste: Nachdem die Kreisparteien keine Bauern als neue Kandidaten nominiert hatten und Brunner als einziger Bauer auf die Liste gesetzt war, weibelte er selber bei möglichen Kandidaten. Und er redete den Delegierten ins Gewissen: Die SVP dürfe das bäuerliche Terrain auf keinen Fall der CVP und FDP überlassen. Die Delegierten folgten dem Toggenburger Bauern – und liessen den eigenen Kantonalvorstand im Regen stehen. So fanden sich am Ende drei Bauern auf der Liste.

War Rückzug ein Thema?

Auch FDP-Regierungskandidat Marc Mächler tönt im Interview mit unserer Zeitung den möglichen Einfluss Brunners an (Ausgabe vom 9. März). Nach dem ersten Wahlgang seien verschiedene Exponenten der SVP auf ihn zugekommen und hätten ihm ihre Unterstützung signalisiert. «Doch dann trat Toni Brunner auf den Plan.»

Götte macht kein Geheimnis daraus, dass er am Sonntagabend in der grössten Enttäuschung ebenfalls das «Szenario Rückzug» erwägt habe. Hat er in dieser Situation die Freisinnigen um einen Deal angefragt, wie gemunkelt wird (die SVP unterstützt Mächler, wenn die FDP in vier Jahren eine SVP-Kandidatur unterstützt)? Dazu sagt er: «Wer länger in der Politik ist, weiss, dass sich keine Partei auf einen derart langfristigen Deal zu Personen einlässt.»

Kandidaten – nein, ja, nein, ja

Bleibt die Frage, woher die Partei mitten im Scherbenhaufen ihrer Kandidatur Huser neue Kandidatinnen und Kandidaten zauberte. Angeblich soll Brunner am Montag mit konkreten Vorschlägen angereist sein. Götte bestätigt dies. So hat doch Brunner das Ganze gesteuert? Es gebe Personen, die sich direkt an den nationalen Präsidenten und nicht an die Kantonalpartei wenden. Konkreter wird der Fraktionspräsident nicht.

Einiges deutet darauf hin, dass sich die potenziellen Kandidaturen Brunners später rasch in Luft auflösten und erst dann – sozusagen in zweiter Runde – Esther Friedli zur Regierungskandidatin avancierte. Zwischen ihrer offiziellen Kandidatur, Parteibeitritt und Präsentation vor den Medien dürften keine 20 Stunden gelegen haben.

Schmidlin ist überzeugt: Die Partei habe durch dieses Wahlprozedere und das Hin und Her an Glaubwürdigkeit verloren.


Click: zum spannenden Eheringe-Tipp In 20 Stunden zur Kandidatin

http://www.tagblatt.ch/4554108In 20 Stunden zur Kandidatin

Der Autor dieses Textes hat gute Arbeit geleistet: Kurzweilig und doch interessant!

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