Nachricht aus St.Gallen: Die Frau hinter dem Pflege-Master

Ein lesenswerter Bericht für alle St.Gallen-Interessierten.

Martina Merz-Staerkle war zehn Jahre lang Prorektorin an der Fachhochschule St. Gallen. Die Weinfelderin hat Aus- und Weiterbildungsangebote in der Pflege entscheidend mitgeprägt. Ende Februar geht sie in Pension.

ST. GALLEN. «Das Leben hat es gut gemeint mit mir. Ich bin an Aufgaben herangekommen, an denen ich gewachsen bin.» Professorin Martina Merz-Staerkle, MSc, zieht mit 64 Jahren einen versöhnlichen Schlussstrich unter ihre berufliche Karriere. Einen Tag noch, dann räumt die Prorektorin ihr Büro im 9. Stock der Hochschule für Angewandte Wissenschaften der Fachhochschule St. Gallen.

42 Jahre lang hat Merz mit Menschen gearbeitet. Das hat sie geformt und bereichert: «Ich versuchte stets zu spüren, was sie brauchen, um sie dann zu befähigen, auch grosse Aufgaben anzupacken.» Für sich selber verwendet sie das Bild einer Wegbereiterin, die lieber andere bestärkt, als sich selber in den Vordergrund zu stellen. «Die Vorlesungen in meiner Zeit als Schulleiterin habe ich geliebt. Bei den Diplomfeiern war ich froh, wenn sie vorbei waren.»

Fast zwei Stunden dauert das Gespräch. Zehn Minuten Verschnaufpause bleiben ihr bis zum nächsten Termin, eine Notenkonferenz: Für einige Bachelor-Studenten wird es eng. Merz nimmt ihre Verantwortung wahr.

Kongress als Selbstläufer

Dass die gebürtige Weinfelderin stets als erstes mit dem Demenzkongress in St. Gallen in Verbindung gebracht wird, versteht sie auf der einen Seite, «ich bin die Initiantin». Doch ihre Erfindung sei das nicht, sie habe von FHS-Rektor Sebastian Wörwag den Auftrag erhalten, einen Kongress zu organisieren, genau die richtige Herausforderung für jemanden, der in systematischer Organisationsentwicklung und Hochschulmanagement ausgebildet worden ist.

Das Projekt erwies sich vom Start weg als Selbstläufer: «2013 wurden wir förmlich überrannt.» Seither war der Kongress mit 1000 Teilnehmern erneut zweimal ausgebucht, die Anmeldungen für die vierte Auflage im November laufen. Zielpublikum sind Pflegefachleute im deutschsprachigen Raum, Sozialarbeiter, Ergotherapeuten und Logopäden, die in einer Klinik, einem Heim, bei der Spitex oder einem Akutspital arbeiten – sie berichten aus der Praxis über ihre Erfahrungen bei der Umsetzung von Forschungsergebnissen. Angedacht ist neu eine parallele Unterkonferenz für 200 Wissenschafter. Zuständig bleibt Martina Merz, «auch wenn ich Ende Februar die Führungsverantwortung abgebe».

Abschied und Neuanfang, zwei Pole, beide gehören zum Leben. Nach zehn Jahren an der FHS führt die Fachbereichsleiterin Gesundheit die Assistenz der Bereichsleitung in ihr Aufgabengebiet ein, während sie ihre eigenen Pendenzen abträgt. «Ein seltsames Gefühl», sagt sie. «Eine Doppelrolle, die mir die eigenen Schritte wieder bewusst macht.»

Als Krankenschwester begonnen

Ihr Weg führte Merz von der Praxis in die Lehre: Krankenschwester an der Onkologie am Kantonsspital St. Gallen, Lehrerin für Krankenpflege im Stephanshorn, Leiterin der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege, Leiterin des Pflegedienstes am Bürgerspital, Master in Organisation und Entwicklung in Wien, seit 2006 Prorektorin an der FHS, wo sie den Fachbereich Gesundheit aufgebaut hat – mit einer eigenen Forschungsabteilung im 13. Stock.

Dass die Fachhochschulen Forschungsschwerpunkte von nationaler Bedeutung aufgebaut haben, ebnete den Weg. Im Jahr 2010 bewilligte der Bund in der Deutschschweiz die Masterstudiengänge direkt im Anschluss an einen Bachelorabschluss für Berufe im Gesundheitswesen. Damit stehen Berufsangehörigen dieselben Karrieremöglichkeiten offen, wie sie in skandinavischen und angelsächsischen Ländern üblich sind. Seit nunmehr sechs Jahren bietet die FHS St. Gallen den Master of Science in Pflege an, zusammen mit den Fachhochschulen Zürich und Bern.

Für Merz ist das keine Konkurrenz zum Pflege-Handwerk, im Gegenteil: «Wir haben damit die internationale Wettbewerbsfähigkeit gesichert. Und beugen dem Mangel an hochqualifizierten Fachleuten vor.» In den 70er-Jahren habe es für sie noch keine Möglichkeit gegeben, um sich in der Pflege weiterbilden zu können.

«Ich hätte damals in den Lehrerberuf wechseln können, habe mich aber stattdessen zuerst am Royal Marsden Hospital in London zur Oncological Nurse ausbilden lassen.» Eine Erfahrung, die sie bis heute nicht missen möchte. Bei der Lancierung der Masterstudiengänge erwartete der Bund, dass rund jeder fünfte Bachelor-Absolvent einen Master-of-Science-Studiengang in Angriff nimmt. Für die FHS geht heute die Rechnung auf: Auf Bachelorstufe sind es jeweils 80 Studierende pro Jahrgang, beim Master jeweils 15 bis 20. Bei beiden ist die Tendenz steigend. Nicht zuletzt dank Martina Merz ist der Fachbereich Gesundheit zehn Jahre nach Einführung gut etabliert, das Institut für Pflegewissenschaft breit anerkannt.

Pflege nach wie vor gefragt

An eine Akademisierung auf Kosten der Pflege glaubt die Fachbereichsleiterin nicht. Die medizinische Entwicklung bringe zwar Fortschritte, was aber nütze die beste OP, wenn es nachher an der Pflege fehle? «Als erste Fachhochschule der Schweiz haben wir einerseits den verkürzten berufsbegleitenden Studiengang für diplomierte Pflegende mit einem altrechtlichen Diplom eingeführt und andererseits 2011 den berufsbegleitenden Studiengang für Fachangestellte Gesundheit mit Berufsmaturität.»

Stände Merz wieder am Anfang, «ich würde alles noch einmal so machen». Mit 15 der erste Gedanke, «Pflege? Das will ich auch lernen». Dann vier Jahre Zeit, um hungrig zu werden auf den Beruf. Mit 19 der Eintritt in die Schwesternschule. Dazwischen die Internatserfahrung in Fribourg, die ersten Gehschritte als Schwesternhilfe, ein Spanienjahr. Pflege, das sei zum einen Handwerk, «aber vor allem ist es Berufung». Eine Tätigkeit, die Einfühlungsvermögen bedinge und viel Entwicklungspotenzial beinhalte. Auch gerade rund um Fragen, die mit der Endlichkeit des Lebens zu tun haben. Auch sie selber hat das immer wieder neu lernen müssen. Es ist erst drei Jahre her, seit sie ihren Mann loslassen musste. «Wir haben uns rund um seine Krankheit ganz neu kennengelernt und gefunden.» Eine tiefe Erfahrung, die sie für immer bereichert habe.

Neu Kirchenverwaltungsrätin

Nach der Pension von 100 auf null runterzufahren, das schafft Merz nicht. Aus gut katholischem Haus, aufgewachsen mit drei Schwestern, unterwiesen in der Bibel- und Christenlehre statt wie die Gspänli im Winter auf Skiern unterwegs zu sein, hat sie sich im vergangenen November als Kirchenverwaltungsrätin in der Katholischen Kirchgemeinde St. Gallen wählen lassen. «Spiritualität – das Gefühl, in etwas Grösseres eingebettet zu sein – ist mir wichtig», sagt sie. Man glaubt es ihr aufs Wort.


Klick HIER: zum ganzen Text Die Frau hinter dem Pflege-Master

http://www.tagblatt.ch/4532432Die Frau hinter dem Pflege-Master

Dieser kompakte Artikel beleuchtet dieses topaktuelle Thema aus einem interessanten Blickwinkel. Spannend!

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