Topaktuelle St.Gallen – Nachricht: Sie wollten sich nicht wehtun

Ein aktueller Artikel zu diesem aktuellen Thema St.Gallens.

ST.GALLEN. Im Pfalzkeller präsentierten sich auf Einladung des Tagblatts die fünf bisherigen und die vier neuen Kandidaten für den St.Galler Regierungsrat. Dabei bekundeten sie ihren Willen zur konsensorientierten Politik. Die harte Debatte blieb aus.

Vor dem Pfalzkeller wurden die Podiumsgäste am Mittwohabend von vier uniformierten und einigen zivilen Polizisten empfangen. Ein älterer Herr scherzte: “Ihr wollt doch bloss kontrollieren, ob ich zwei Würste am Grill abhole.” Allfällige Sicherheitsbedenken verflogen dann schnell, denn das zahlreich erschienene Publikum wollte hören, was die fünf bisherigen Regierungsräte und insbesondere die vier neuen Regierungsratskandidaten zu sagen hatten.

Vorwürfe lassen Huser kalt
Mit Spannung erwartet wurde besonders das Statement des SVP-Kandidaten Herbert Huser, der aufgrund diverser Vorwürfe in den letzten Tagen in den medialen Fokus gerückt war. Eine solche “Kampagne” sei ihm gegenüber angekündigt worden, was ihn aber nicht beeindrucken, geschweige denn von einer Kandidatur abhalten könne. “Mich stört vor allem, dass meine Familie diffamiert wird”, sagte Huser. Dafür verlange er von den Personen, die teilweise im Saal seien, noch eine Entschuldigung.

Huser interessiert sich besonders für das Baudepartement, was für ihn als Architekt nahe liegt. Dass er in diesem Departement ein Projekt – die Spitalvorlage – umsetzen müsste, das er selbst bekämpft hatte, bereite ihm keine Mühe. “Ich habe die Spitalvorlage nicht bekämpft. Ich habe mich für bessere Lösungen eingesetzt.”

In Zukunft investieren
Huser war es auch, welcher der bisherigen Regierung die schlechteste Note verteilte – eine 4. Er befürwortete zwar die Bildungsoffensive im IT-Bereich und die Expo 2027, doch warnte er vor hohen Kosten. “Wir müssen trennen, was für den Kanton wünschbar ist, und was wir uns leisten können. Der Nutzen für die Bürger muss klar sein.”

Etwas zufriedener mit der Arbeit der bisherigen Regierung zeigte sich FDP-Regierungskandidat Marc Mächler. “Die Sanierung der Staatsfinanzen wurde gut aufgegleist”, sagte das Direktionsmitglied der UBS und gab eine 4,8.

CVP-Kandidat Bruno Damann verteilte der Regierung eine 5 und hoffte, dass es keine weiteren Sparpakete braucht. “Wir müssen Arbeitsplätze schaffen. Angesichts der wirtschaftlichen Lage dürfen wir nicht mehr nur auf die Industrie fokussieren. Auch im Bereich Forschung müssen wir vorwärts machen.” Ein Medizinmaster-Studiengang oder ein Innovationspark Ostschweiz (der beim Bund abgeblitzt war) könnten auch neue Unternehmen und finanzkräftige Steuerzahler in die Region locken. Die Expo wäre seiner Ansicht nach ein Projekt, das die Ostschweiz endlich wieder etwas zusammenschweissen könnte.

Andreas Graf von den Parteifreien gibt der Regierung überraschenderweise eine 6. “Was nicht heisst, dass man es nicht noch besser machen kann.” Er kann jedoch den Plänen für einen Innovationspark nicht viel abgewinnen. Vielmehr müsse man direkt in die Bildung und die Förderung von Kreativität investieren. “Ein teurer Innovationspark ist das falsche Gefäss hierfür.”

Kaum Wortgefechte
Wer im geduldigen Publikum wenigstens in der öffentlichen Fragerunde etwas Zündstoff erwartete, wurde enttäuscht. Vier Fragesteller – ja, allesamt Männer – meldeten sich, und nur einer hatte eine kritische Frage: Warum man in Andreas Grafs Spider entgegen seiner Versprechen keine pointierte Umweltpolitik, “sondern nur eine restriktive Migrationspolitik” finde, wollte Juso-Co-Präsident Samuel Brülisauer wissen. “Weil da die falschen Fragen zur Umwelt gestellt wurden”, erwiderte Graf und verwies auf seine Homepage, nicht ohne sich als Parteifreier von den Grünen zu distanzieren: “Sie kümmerten sich zu wenig um ihre Kernthemen.”

Weitere Fragen betrafen die Anzahl Arbeitsplätze, die ein Innovationspark schaffen würde (Antwort Würth: “Schwierig zu sagen”) und die produktiven Arbeitsplätze in den “praktisch privatisierten” Staatsbetrieben, worauf Klöti auf Mehrwert schaffende Stellen in der Bildung und in der Integration hinwies und Hanselmann die Bedeutung des Gesundheitswesens hervorstrich. Auch die gewitzte Nachfrage nach der Konstellation, die Fässler gegen seinen erklärten Willen in ein anderes Departement brächte, blieb nur andeutungsweise beantwortet. Dass sich trotz Anciennitätsprinzip manchmal auch jene “bewegen müssen, die bleiben wollen”, ist ein Gemeinplatz.

“Es fehlten die brennenden, volksnahen Themen”, stellte eine Gruppe jüngerer Leute draussen ernüchtert fest. Und so war man sich am Ende einig, dass “das Beste an diesem Abend eben doch die Bechingerwurst war”, wie ein Stadtsanktgaller meinte. Das Fehlen jeglicher Streitmomente besagt positiv gesehen immerhin auch dies: In der St.Galler Regierung geht es friedlich zu und her, und Kompromissbereitschaft wird grossgeschrieben. Sogar kurz vor Ende des Wahlkampfs.


Hier: ZUM GUT GELUNGENEN EHERINGETIP Sie wollten sich nicht wehtun

http://www.tagblatt.ch/4519262Sie wollten sich nicht wehtun

Dem Author ist es gelungen ein schwieriges St.Gallen-Thema ansprechend und interessant zu besprechen

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